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Die Stadtchronik |
Chroniken gehören im mitteleuropäischen Raum seit Jahrhunderten zu den wichtigsten Medien der Überlieferung historischer Ereignisse. Auch in der Leipziger Stadtgeschichte spielen sie eine große Rolle. Bischof Thietmar von Merseburg schildert in seiner Chronik, dass Bischof Eid von Meißen auf seiner Rückreise aus Polen im Jahr 1015 „in urbe Libzi“ verstorben sei. Dieser Chronikeintrag ist die erste schriftliche Erwähnung Leipzigs.
Als weitere Chronisten seien hier nur Tobias Heydenreich genannt, dessen „Leipzigische Cronicke ... „ 1635 gedruckt wurde oder Johann Jacob Vogel, dessen „Leipzigisches Geschicht-Buch...“ zuerst 1714 erschien. Diese Chroniken entstanden nicht wie die höfischen Chroniken im Auftrage eines Herrschers, vielmehr wollten die bürgerlichen Autoren die Geschichte und Entwicklung ihrer Stadt dokumentieren. Chronikschreiber verfolgten schon früh Erziehungs- und Bildungsziele, so stellte Gustav Wustmann, 1881 – 1910 Direktor des Stadtarchivs, eine „Kleine Chronik von Leipzig. Ein Merkbüchlein zur Stadtgeschichte“ zusammen. Auch Vereine, Kirchgemeinden, Innungen und Firmen gaben aus Anlass von Jubiläen Chroniken heraus. Das 350. Gründungsjubiläum der Buchbinder-Innung zu Leipzig 1894 und der Baubeginn des City-Tunnels 2004 waren gleichermaßen Anlässe für das Erscheinen von Chroniken.
In der Zeit des Nationalsozialismus gab es ebenso wie in der DDR staatliche Anordnungen zur Führung von Ortschroniken. Im Stadtarchiv waren die Ergebnisse dieser Chronikarbeit auf Karteikarten niedergelegt. Seit 1990 wurden die Informationen im Computer erfasst und inhaltlich überarbeitet. Daneben wird auf der Grundlage der lokalen Presse eine aktuelle Stadtchronik geführt. Außer politischen Ereignissen erfassen die Chronisten auch Ereignisse aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Tourismus, Sport, Verkehr, Bauwesen, Kriminalität und Soziologie, wobei den Bearbeitern durchaus bewusst ist, dass eine vollständige Erfassung aller Daten nicht möglich ist.
Für die Jahre von 1989 bis 2007 liegt die Stadtchronik digital vor. Sie bildet eine gute Grundlage für Recherchen nach bestimmten Daten, Jubiläen und Ereignissen. Im Lesesaal des Stadtarchivs ist die Datenbank mit der Stadtchronik einzusehen, die auf der Grundlage der lokalen Presse erstellt wurde. In den Datensätzen sind auch Angaben zu den Quellen aus der lokalen Presse enthalten. Bei Bedarf kann man diese Quellen ebenfalls einsehen. Viele der in Leipzig erschienenen Zeitungen liegen verfilmt vor und können wie die Stadtchronik während der Öffnungszeiten des Lesesaals ohne Voranmeldung eingesehen werden. Aufgrund der Vielzahl der täglichen Ereignisse ist es nicht möglich, sie alle vollständig zu erfassen. Es handelt sich deshalb bei der Stadtchronik um eine Auswahl. |
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