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Lesetipps für Erwachsene |
Monatlich empfehlen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter interessante und lesenswerte aber auch hörbare Lektüren aus allen Bereichen. In unserem Online-Katalog können Sie gleich schauen, in welcher Bibliothek die Medien ausleihbar sind.
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Greenberg, Michael Betteln, Borgen, Stehlen - Aus dem Leben eines Schriftstellers in New York R 11
Wir alle kennen New York, wenn nicht aus eigener Anschauung, so doch aus oft unsäglichen Filmen und Serien. Einen ganz anderen Blick bekommt man bei der Lektüre von Michael Greenbergs „Betteln, Stehlen, Borgen – Aus dem Leben eines Schriftstellers in New York“. In 44 meisterhaft erzählten und miteinander verwobenen Miniaturen erfahren wir, wie es dem Sohn eines jüdischen Schrotthändlers aus Brooklyn ergeht, der schon früh wusste, dass er Schriftsteller werden will. Da der Wunsch allein noch nicht den Lebensunterhalt sichert, versucht er sich neben seinem Schreiben als Taxifahrer, Kosmetikverkäufer, Kellner und in weiteren oft obskuren Professionen. Zugleich tragisch und komisch sind diese einzelnen Erzählungen, die uns auch seine Familiengeschichte näher bringen. Geborgt und gestohlen wird aus den Alltagsgeschichten der New Yorker. Die eigentliche Hauptperson des Buches aber ist die Stadt New York selbst, denn sie ist es, die das Leben ihrer Bewohner prägt. Deshalb werden auch die real existierenden Orte innerhalb der Stadt genau benannt. Greenberg beweist ein wunderbares Einfühlungsvermögen in das Schöne, das Bizarre, das ungeheuer Lebendige und auch das Gewaltsame dieser Metropole. Die Washington Post schrieb dazu: „Greenberg ist ein Poet New Yorks. Er erweckt die Stadt in all ihrer abstoßenden und verkommenen Herrlichkeit“
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Remarque, Erich Maria Der Himmel kennt keine Günstlinge R 11 Erich Maria Remarques "Der Himmel kennt keine Günstlinge" ist weit mehr als eine Liebesgeschichte. Der Autor versteht es, dem Leser nicht nur einen Einblick in das Leben und das Umfeld zu geben, sondern das Sehnen, Fühlen und Handeln der Protagonisten mit zu erleben. Anfang der 50er Jahre besucht der Rennfahrer Clerfayt seinen ehemaligen Beifahrer Hollmann in einem Schweizer Sanatorium, in dem er seit längerer Zeit wegen Lungentuberkulose behandelt wird. Dort lernt Clerfayt auch die schwer lungenkranke Lilian Dunkerque aus Belgien kennen. Sie akzeptiert ihre Krankheit nicht, verachtet die ewig gleiche Routine ihres Alltags, die Langeweile und die strengen Regeln des Sanatoriums. Es verbinden sich in dem Buch zwei Schicksale. Die todkranke Lilian, die wenigstens ein paar Tage ihres Lebens auskosten und genießen will, stellt sich dem Risiko ihres Tuns. Genau wie der Rennfahrer Clerfayt, der das Leben einfach lebt und mit jedem neuen Rennen sein Leben aufs Spiel setzt. Beide treffen ihre Entscheidungen bewusst. Die Todkranke verändert das Leben des Mannes. Er beginnt sie mit anderen Augen zu sehen. Die zunächst nette Episode wird für ihn zur Liebe, die in treibt, sein Leben zu verändern. Er möchte Zeit mit ihr, die doch so wenig davon übrig hat. Sie, die ausbrach, um noch ein paar Tage das richtige Leben genießen zu können, wird nun bedrängt, in das normale Leben zurückzukehren. Doch mit dem Tod sind keine Pläne zu machen.
- empfohlen von Manja Lestschinski, Assistentin im Bereich Länderkunde / Sprachen / Kunst im Interim Stadtbibliothek
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Delius, Friedrich Christian Bildnis der Mutter als junge Frau R 11
Eine 21-jährige hochschwangere Frau läuft an einem Samstagnachmittag im Januar 1943 durch Rom – mitten im Krieg. Sie geht vom Haus der Diakonissen, in dem sie zur Zeit lebt, zur deutschen protestantischen Kirche, in der sie ein Bach-Konzert besuchen wird. Das Laufen ist zur Zeit ihre einzige Aufgabe, ansonsten kann sie nur warten - auf die bevorstehende Geburt des ersten Kindes und auf die Rückkehr des Ehemannes, der als protestantischer Militärpfarrer von Rom nach Afrika versetzt wurde. Dies geschah gleich nachdem sie endlich angekommen war und auf ein erstes Zusammenleben nach der Hochzeit gehofft hatte. Diese Informationen bekommt der Leser, während er dem Weg der Frau folgend, durch die Stadt spaziert. Dabei verbinden sich die Eindrücke der katholischen Hochburg Roms und viele Zeichen des Krieges mit ihren inneren Bildern - Mecklenburgische Heimat, Familie, Beginn ihrer Liebe. Von der jungen Frau, geht ein großes Gottvertrauen aus. Sie zweifelt und verzweifelt nicht, kann sich an Kleinigkeiten erfreuen und bewahrt alles für ihren Mann in ihrem Herzen. Diese Erzählung hat mich sehr berührt. Mit eindrücklichen Bildern und einem ununterbrochenem Erzählfluss werden große Zusammenhänge in kleinen Dingen erfahrbar und der Leser spürt die liebevolle Hommage des Autors an seine Mutter. Er ist das Kind, welches 1943 in Rom geboren wurde.
- Empfohlen von Eleonore Gottelt, Fachinformatorin Belletristik, Literaturwissenschaft und Philosophie im Interim Stadtbibliothek
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Benchetrit, Samuel Rimbaud und die Dinge des Herzens R 11
„Meistens spürt man sein Glück nicht in dem Moment, wo man glücklich ist, und am schlimmsten ist, dass sich dieses Glück oft in Traurigkeit verwandelt.“
Dem kleinen Prinzen nahe ist diese berührende Geschichte. In einem heruntergekommenen Hochhaus in einem Vorort von Paris lebt Charly, 10 Jahre alt, mit seiner aus Mali stammenden Mutter und seinem drogenabhängigen Bruder Henry. Eines Morgens wird Charlys Mutter von der Polizei abgeholt, er selbst bleibt unentdeckt. Alleingelassen, macht er sich, anstatt zur Schule zu gehen, auf den Weg seinen Bruder zu finden. Obwohl die Geschichte zwischen 8.00 Uhr und 23.40 Uhr spielt, erfährt man aufgrund Charlys Gedankenausflüge viel mehr als nur die Gegenwart. So erzählt der phantasievolle Junge u.a. von der Liebe zu seiner Mutter und einem gleichaltrigen Mädchen, der Leidenschaft Ausätze zu schreiben, einem Schulausflug nach Paris der Eindruck hinterlassen hat, einem seltsamen Nachbarn mit Liebeskummer und von all seinen Hoffnungen und Ängsten. Dem Leser bleibt nur, Charly von der ersten Seite an ins Herz zu schließen und ihn bis zur letzten nicht mehr heraus zu lassen. Auf 253 Seiten bringt er einen häufig zum schmunzeln aber durch seine Sicht auf „die Dinge des Herzens“ und tiefgehende Weisheiten auch zum nachdenken. Beeindruckend leicht hat Samuel Benchetrit das eigentlich schwermütige Thema in eine wunderbar warmherzige Geschichte verpackt, die berührt - genau das Richtige für einen kalten Herbsttag.
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Hein, Jakob Wurst und Wahn. Ein Geständnis R 11
Wer kennt nicht die besondere Sorte Vegetarier mit dem Impetus der Weltrettenden, die allen Fleischessenden ein schlechtes Gewissen machen können. So erlebt es auch der Protagonist dieser Satire, ein junger Mann, bei einem Weihnachtsgansessen. Zum Vegetarier geworden, erlebt er prompt das, was die Fleischesser schon immer wussten. Er erleidet extremste Mangelerscheinungen, wird grau, verfällt körperlich und geistig, verliert Arbeit, Frau und Penis. Er sucht Hilfe im Netz und gerät an Blogger brühwürfel69 und eine Untergrundbewegung. Dies alles berichtet der Protagonist als Geständnis an einen Kommissar, wobei der Leser über die Tat bis zuletzt spekulieren kann. Jakob Hein, laut Klappentext bekennender Mode-Vegetarier, überzeugt wieder mit Witz und Einfaltsreichtum. Ihm ist der Spaß am Erfinden einer Welt, in der schon der Anblick von Fleischtheken als Zumutung empfunden wird, anzumerken. Für alle Leser, die Heins besonderen Blick für das Absurde mögen, hier noch weitere Tipps: "Herr Jensen steigt aus" oder „Antrag auf ständige Ausreise“.
- Empfohlen von Eleonore Gottelt, Fachinformatorin Belletristik, Literaturwissenschaft und Philosophie im Interim Stadtbibliothek
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Keith Richards Life K 921
Das Magazin GQ , nicht gerade als fundierte Literaturzeitschrift bekannt, wählt jedes Jahr den „Man of the Year“ in verschiedenen Kategorien. Rolling-Stones-Urgestein Keith Richards, bisher auch nicht als Schriftsteller hervorgetreten, bekam die begehrte Auszeichnung in eben jener Sparte Literatur, und das zurecht. Der Grund ist das Erscheinen seiner Biographie mit dem dem Titel „Life“. Es gibt Stimmen, die das Werk als bestes Buch über den Rock`n Roll feiern. Spannend und eben, wie der Titel schon sagt, voller Leben erzählt Richards von seinen musikalischen Wurzeln, vom Anfang der Rolling Stones als Band, die sich dem Chicago-Blues verschrieben hatte bis zur erfolgreichsten Rockband aller Zeiten. Auf den 736 Seiten geht es natürlich nicht nur um Musik, sondern auch um Drogen, den Kampf der Alpha-Schürzenjäger Mick Jagger und Keith Richards, das Verhältnis zu den Beatles und vieles mehr. Ungeheuer lebendig beschreibt er das Lebensgefühl jener Zeit. Ein absolut lesenswertes Buch, nicht nur für die Fangemeinde der Stones. Uwe Wohlmacher vom Deutschlandradio Kultur sagt dazu: „Ein Buch, wie man es über Rockmusik kaum besser schreiben kann und das selbst in seiner Sprache purer Rock´n Roll ist – mitreißend, unverblümt und mit jeder Zeile der pure Stoff; Keith Richards selbst ist bis heute erstaunt, wie weit es ein einfacher Gitarrist bringen kann, der sich dem Blues verschrieben hat.“
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Hanna Johansen Ich bin hier bloß die Katze Hörbuch, R 11
Mögen Sie und Ihre Kinder Katzen bzw. haben gar eine zu Hause? Dann wissen Sie ja, wie die Tierchen ticken und können Katze Ilsebills Lebensweisheiten so richtig genießen! Am besten als Hörbuch, kätzerisch authentisch vorgetragen von der wunderbaren Katharina Thalbach, die in einem früheren Dasein gewiss als Samtpfote gelebt hat. Was heißt hier eigentlich "BLOSS" die Katze? Wo es langgeht in ihrer Familie bestimmt Ilsebill nämlich auf das Heftigste. Klar muss man Kompromisse machen können, doch was tut man als Katze nicht alles, wenn man seine Familie mag. Was im und ums Haus herum abgeht, hat Katze im Blick. Man ist schließlich nicht so blöd wie "unser Hund", der die falsche Körpersprache spricht, viel Lärm macht und sich nicht mal anständig waschen kann. Aber darüber regt sie sich nicht mehr auf. Sonst ist er ganz okay, genau wie die übrige Familie. Die besteht aus Mama, die stundenlang in der Küche steht und mit Essen spielt, das bereits tot ist, Papa, den beiden "Großen" und dem Baby. Außerdem sind da noch die beiden Zebrafinken, leider hinter der geschlossenen Küchentür, da hat man als Katze kaum eine Chance. Schade. Mit Katharina Thalbachs Stimme spricht Katze Ilsebill aus, was Samtpfoten denken ... Kurzweiliger Katzenspaß für die ganze Familie, birgt für Katzenbesitzer manchen Deja vu-Effekt, mir zumindest kommt vieles höchst bekannt vor, nur, dass meine Katze mir nicht jeden ihrer Gedanken anvertraut ...
- Empfohlen von Heike Kirchhof, Bibliothekarin Fachinformation Belletristik, Literaturwissenschaften und Philosophie im Interim Stadtbibliothek
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Natasa Dragnic Jeden Tag, jede Stunde R 11
Suchen Sie einen Liebesroman und lesen gern Gegenwartsstoffe? Dann empfehle ich den ersten Roman von Natasa Dragnic, einer in Kroatien geborenen, in Deutschland lebenden Autorin. Die beiden Hauptgestalten, Dora und Luka, leben in einem kleinen kroatischen Fischerdorf. Ihre erste eindrückliche Begegnung ist schon im Kindergarten. Bei diesem Zusammentreffen ist der kleine Junge von der schönen, bunten Tasche des Mädchens so fasziniert, dass er das Atmen vergisst und umfällt. Dora weckt ihren Prinzen mit einem Kuss. Diese Szene wiederholt sich leitbildartig. Die beiden Kinder bleiben fortan unzertrennlich - bis Dora mit den Eltern von Kroatien nach Paris zieht. Dort wird Dora Schauspielerin, Luka in der Heimat Maler. Und sie begegnen sich wieder - nach 16 Jahren, zufällig in einer Pariser Galerie. Jetzt wollen sich nie mehr trennen. Doch Luka kehrt von der Reise in die Heimat, wo er nur noch einige Dinge regeln wollte, nicht zurück. Dora begibt sich auf die Suche. Die Handlung ist chronologisch erzählt und verknüpft mosaikartig das Leben der Liebenden. Das Romandebüt hat mich nicht nur mit der emotional packenden Liebesgeschichte, sondern vor allem sprachlich überzeugt. Die Autorin schafft es, die magische Faszination der Liebe fast nie ins Kitschige abgleiten zu lassen. Zeitgeschichtliche Bezüge verorten die Handlung. Der Romantitel bezieht sich auf eine Gedichtzeile von Pablo Neruda, die in die Handlung eingebunden ist.
Der Roman ist auch als Hörbuch im Bestand der Bibliothek
- Empfohlen von Eleonore Gottelt, Fachinformatorin Belletristik, Literaturwissenschaft und Philosophie im Interim Stadtbibliothek
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Eva Strittmatter: Auf einmal war es schon das Leben R 02
Eva und Erwin Strittmatter waren in der DDR eine literarische Instanz, ihr Wohnort Schulzenhof legendär. Als Hommage an die verstorbene Dichterin (1930-2011) hat ihr Verlag eine kleine, in der Zusammenstellung eindrückliche Sammlung herausgegeben. Die Auswahl traf ihre langjährige Lektorin Almut Giesecke. Hier findet sie sich wieder, die eingängige Lyrik mit ihrer bildhaften Sprache, meist schönen Reimen, in denen Eva Strittmatter persönlichste Gefühlsäußerungen nicht scheute. Ergänzt und komplettiert wird die - in 6 unbenannten Komplexen zusammengestellte - Lyrikauswahl um kurze Auszüge aus "Mai in Piest'any" und "Briefe aus Schulzenhof". Der Satz ist sehr großzügig, jedes Gedicht hat eine Seite. Als Nachwort ist den Texten ein einfühlsamer und kenntnisreicher Nachruf der Autorin Kerstin Decker beigefügt. Die Schlusszeile des Gedichts "Mondnacht" verleiht dem schönen Leidenband den Titel, der sich auch bestens als Einstieg in das reiche dichterische Werk von Eva Strittmatter eignet. Wer Lust auf mehr bekommt, für den stehen zahlreiche weitere Werke der Dichterin bereit.
- Empfohlen von Eleonore Gottelt, Fachinformatorin Belletristik, Literaturwissenschaft und Philosophie im Interim Stadtbibliothek
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Koch, Christoph Ich bin dann mal offline F 340
„Das googlen wir gleich!“. Ein Selbstversuch bringt NEON-Redakteur Christoph Koch dazu, diesen Satz aus seinem Wortschatz zu streichen. Für viele kaum vorstellbar: Ein Monat ohne Handy und Internet. Interessant zu sehen, wie sich dieser Zustand auf Alltag, Arbeit und den Freundeskreis auswirkt.
In diesen vier Wochen trifft er dennoch oft auf Bewunderung, anstatt belächelt zu werden. Anfangs in Versuchung "rückfällig" zu werden muss er doch feststellen, dass der Offlinezustand sein Leben entspannter macht.
Auf unterhaltsame Weise analysiert er was Facebook, Handy und co. mit uns machen und führt außerdem spannende Interviews mit einen Rabbiner in Berlin, Amishs in den USA, dem Geräuschesammler Gordon Hempton und dem Zeitforscher Robert Levine. Ein fantastisches Buch, dass uns neben interessanten und gut recherchierten Hintergrundwissen zeigt wie entspannt es sein kann, hin und wieder ein bisschen unerreichbar zu sein.
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