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Chronik der Leipziger Städtischen Bibliotheken |
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1466 Der Jurist Dietrich von Bocksdorf (+ 1466) stiftet dem Leipziger Rat 42 Bücher. Im Jahr 1522 hinterlässt der Stadtschreiber und Syndikus Peter Freitag dem Rat 253 Bücher. Mit diesen Büchern arbeiten die Juristen der Stadtverwaltung. Außerdem werden sie an Ärzte, Apotheker u. a. Bürger der Stadt ausgeliehen. Diese erste städtische Bücherei ist die Keimzelle der Leipziger Rats- und späteren Stadtbibliothek.
1677 Huldreich Groß (1605-1677), Advokat und Fiskal am Oberhofgericht, hinterlässt dem Leipziger Rat seine Büchersammlung (ca. 4000 Bde.) und sein Vermögen und verbindet damit die Auflage, in Leipzig eine Bibliothek "zum Nutzen der studierenden Stadtjugend" einzurichten.
1683 In einen Saal im 1. Obergeschoss des Zeug- und Gewandhauses an der Universitätsstraße wird die Bibliotheca Senatus Lipsiensis eingerichtet. Durch Käufe und Schenkungen wird der Bestand ständig erweitert. Bei der Stadtkasse wird ein festes Bibliothekskonto eingerichtet, der Oberstadtschreiber Gottfried Gräve (1641-1719) wird zum Bibliotheksvorsteher ernannt. So entstand im bürgerlichen Leipzig eine Buch-, Kunst- und Raritätensammlung, die den Vergleich mit den Sammlungen an Fürstenhöfen nicht zu scheuen brauchte.
1711 Feierliche Eröffnung der Ratsbibliothek für das 'gelehrte Publikum'. Mittwochs und sonnabends von 2.00 bis 4.00 Uhr nachmittags ist die Bibliothek geöffnet. Unter Leitung eines Ratsherren wird ein festangestellter Bibliothekar beschäftigt.
1735 Der Universitätsprofessor und Ratsherr Johann Jacob Mascov (1689-1761) wird Bibliotheksvorsteher und entwickelt die Buch-, Kunst- und Raritätensammlung des Leipziger Rates zu einer wissenschaftlichen Bibliothek.
1755 Das von Friedrich Seltendorf errichtete neue Bibliotheksgebäude am Gewandgässchen, zwischen Neumarkt und Universitätsstraße, wird eingeweiht. Zeitgenossen bezeichnen den riesigen barocken Bibliothekssaal als schönste Bibliothek Deutschlands.
1832 Umbenennung der Ratsbibliothek (Bibliotheca Senatus Lipsiensis) in Leipziger Stadtbibliothek.
1835 Robert Naumann (1809-1880) wird Bibliothekar der Stadtbibliothek und hat dieses Amt, neben seinem Lehramt an der Nikolaischule, bis zu seinem Tod inne. Naumann erwirbt sich große Verdienste um die Katalogisierung der Bestände, die zwischen 1835 und 1880 von 38.000 auf 100.000 Bände anwachsen. Außerdem gibt N. die erste bibliothekswissenschaftliche Fachzeitschrift Deutschlands heraus: Serapeum - Zeitschrift für Bibliothekswissenschaft, Handschriftenkunde und ältere Literatur. 1839 Aus den großen Musikalien- und Musikliteratursammlungen des Universitätsprofessors Karl Heinrich Pölitz (1839) und des Organisten Carl Ferdinand Becker (1865) entsteht die Musikabteilung der Stadtbibliothek.
1851 Der Voksbibliothek-Verein gründet die erste Volksbibliothek in Leipzig.
1881 Gustav Wustmann (1844-1910) wird erster hauptamtlicher Direktor der Stadtbibliothek und des Ratsarchives.
1894 Der Verleger Max Abraham, Inhaber des Musikverlages C.F. Peters, gründet die Musikbibliothek Peters und verfügt testamentarisch deren Übergang in städtisches Eigentum.
1914 Walter Hofmann (1879-1952) wird zum Direktor der Städtischen Bücherhallen zu Leipzig berufen und eröffnet die 1. Städtische Bücherhalle im Osten in der Grenzstraße 3 sowie die II. Städtische Bücherhalle im Süden in der Zeitzer Straße 28 (heute: K.-Liebknecht-Str.). Stadtbibliothek und Bücherhallen bleiben räumlich, strukturell und personell getrennte Einrichtungen.
1924 Johannes Hofmann (1887-1954) übernimmt das Direktorat der Stadtbibliothek und des Ratsarchivs. Zum 250jährigen Jubiläum im Jahr 1927 verfügt die Stadtbibliothek über 155.000 Bände Buchbestand, 660 Inkunabeln und 1702 Handschriften.
1925 Eröffnung der III. Städtischen Bücherhalle in der Richterstraße 8 im Norden der Stadt.
1929 Eröffnung der IV. Städtischen Bücherhalle in einem Neubau im Westen der Stadt in der Zschocherschen Straße 14a. Damit ist das von Walter Hofmann 1913 konzipierte 'Leipziger Büchereiwerk' in seinen wesentlichen Teilen realisiert.
1930 Die seit 1914 im Süden der Stadt in der Zeitzer Straße arbeitende II. Städtische Bücherhalle erhält einen Neubau in der Steinstraße 42.
1943 Zerstörung der Stadtbibliothek in der Bombennacht des 4. Dezembers. Fast der gesamte Buchbestand wird vernichtet. Die Sondersammlungen und der Kunstbesitz blieben durch Auslagerung erhalten. Ebenfalls im Krieg zerstört wurde die I. Städtische Bücherhalle in der Grenzstraße. Die Bücherhallen II und IV erlitten schwere bauliche Schäden
1945 Der im Widerstand gegen das NS-Regime aktive Bibliothekar Ernst Adler wird neuer Direktor der Städtischen Bücherhallen, die am 10. September 1945 wiedereröffnet werden. Das Gebäude der III. Bücherhalle in der Richterstraße wurde von der sowjetischen Kommandantur beschlagnahmt. Die III. Bücherhalle und die Leitung der Bücherhallen erhalten neue Räume auf einem Betriebsgelände in der Pfaffendorfer Str.
1946 Provisorisch werden der zerstörten Stadtbibliothek und der Musikbücherei Räume in der 1. Etage von Barthels Hof am Markt 8 zugewiesen. Nachdem Johannes Hofmann im Frühsommer 1945 entlassen worden war, wird Edith Rothe, Tochter des ehemaligen Leipziger Oberbürgermeisters Karl Rothe, Direktorin der Stadtbibliothek.
1951 Eine kulturpolitische Kampagne gegen die bürgerliche Kultur führt zur Auflösung der wissenschaftlichen Stadtbibliothek und zu ihrer Umwandlung in eine Volksbücherei.
1954 Aus der Städtischen Musikbücherei und der Musikbibliothek Peters wird die Musikbibliothek der Stadt Leipzig gebildet, die ihr Quartier in der Ferdinand-Lasalle-Straße 21 erhält.
1958 Die in eine Volksbücherei umgewandelte Stadtbibliothek, die ehemaligen Bücherhallen sowie die Volksbücherein werden zur Stadt- und Bezirksbibliothek Leipzig zusammen gefasst.
1973 Die Musikbibliothek der Stadt Leipzig wird in die Stadt- und Bezirksbibliothek integriert. Die erste Fahrbibliothek der Stadt- und Bezirksbibliothek kommt zum Einsatz
1984 Die Stadtbibliothek wird geschlossen, weil das Gebäude Barthels Hof 8 rekonstruiert werden soll. Neubau-Bibliotheken In Grünau (Wk II) und Schönefeld werden die ersten Neubau-Bibliotheken eröffnet. Es folgen 1986 und 1988 zwei weitere Neubau-Bibliotheken in den Grünauer Wohnkomplexen IV und VII.
1991 Nach siebenjähriger Schließzeit wird die Stadtbibliothek im alten Grassi-Museum am Wilhelm-Leuschner-Platz wieder eröffnet. Auch die Musikbibliothek findet hier ihr neues Domizil. Die Stadt- und Bezirksbibliothek Leipzig wird in Leipziger Städtische Bibliotheken umbenannt und bis 1994 dem Kulturamt zugeordnet.
1994 Die Leipziger Städtischen Bibliotheken werden aus dem Kulturamt ausgegliedert und als Amt Leipziger Städtische Bibliotheken weiter geführt. 2003 Der Stadtrat beschließt die Bibliotheksentwicklungskonzeption, mit der Standards, Richtwerte und Leistungen für die künftige Arbeit festgeschrieben wurden.
2008 Der ersten Fassung der Bibliotheksentwicklungskonzeption folgt nun deren Fortsetzung (PDF 324 KB), die den finanziellen und inhaltlichen Rahmen für die Jahre 2008 bis 2011 festlegt.
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Huldreich Groß
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Die alte Rats- und Stadtbibliothek
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Robert Naumann
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Gustav Wustmann
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Walter Hofmann
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Stadtbibliothek nach der Bombennacht des 4.12.1943
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Wiedereröffnung 1991
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Fahrbibliothek
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