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Geschichte des Johannaparks

spacer Johannapark mit Blick in das Stadtzentrum
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Die Umgebung des Johannaparks zu Seyfferths Zeiten

Als gegen Mitte des 19. Jahrhunderts der Bankier Wilhelm Seyfferth das Areal für den zukünftigen Johannapark erwarb, war der westliche Rand Leipzigs noch von zahlreichen alten Bürgergärten gesäumt. Daran schlossen sich feuchte, regelmäßig überschwemmte und zur Heugewinnung genutzte Auewiesen an. Sie waren über die sogenannte Heubrücke, die später den Eingang in den Johannapark bildete, erreichbar. Die Brücke überspannte die Alte Pleiße, auch Kuhstrang genannt, die die südliche und östliche Grenze des Parks bildete. Südlich des Johannaparks lag der Botanische Garten, an den sich wiederum das Schimmelsche Gut mit der Insel „Buen Retiro“ anschloss, beide von den großen Teichanlagen geprägt.

Wie wildromantisch das Umfeld des Parks gewirkt haben muss, vermerkt 1931 mit einiger Wehmut der Autor des Artikels zum 50. Todestag Seyfferths in den Leipziger Neuesten Nachrichten: “Wo sich heute die Karl-Tauchnitz-Brücke befindet, gab es weite, malerisch verwilderte Gärten. Am Ende des Parkes, also westlich der Marschnerstraße, erstreckten sich buschreiche Matten, wo gekrümmte alte Flussläufe von Weiden gesäumt wurden. Aus den nahen Wäldern wechselten, besonders in den Abendstunden, ganze Rudel von Rehen zum Johannapark.“

Die Anfangszeit des Parks

Am 23. Oktober 1863 schrieb der Geheime Kammerrat und Bankier Wilhelm Theodor Seyfferth an den Leipziger Rat: „Die Idee, von einem für meine verstorbene Tochter disponiert gewesenem Kapitale eine Stiftung zu begründen, die nicht bloß ihren Namen, sondern auch die vorherrschende Richtung ihres Charakters ‹‹ Andern Freude zu machen ›› verewigen würde, hat mich veranlasst, die Wiese der Frau Professor Schwägrichen am Kuhstange zu kaufen. Sie in einen Park zu gestalten und diesen Johannapark zu nennen ist meine Absicht.“

Johanna Nathalie, gestorben am 28.4.1858, war Seyfferths älteste Tochter. Der Überlieferung nach musste sie 1856 mit Dr. Fr. Gustav Schulz, Bankier in Seyfferths Bankhaus, eine Ehe eingehen, obwohl ihre Liebe Wilhelm von Minckwitz, Gutsbesitzer auf Dornreichenbach, galt – ein Konflikt, an dem sie körperlich und seelisch zerbrach. Merkwürdig ist, dass Seyfferth sowohl Minckwitz als auch Schulz später als Schwiegersöhne betrachtete und Minckwitz als Alleinerben seines Vermögens einsetzte.

Seyfferth müssen schwere Schuldgefühle geplagt haben, dass er in Gedanken an Johanna eine so umfangreiche Stiftung begründete. Bereits vor dem Grundstückskauf, unmittelbar nach Johannas Tod, hatte Seyfferth Kontakt zum Königlich preußischen Gartendirektor Peter Joseph Lenné aufgenommen, den er wohl durch dessen Tätigkeit bei der Umgestaltung der Promenadenanlagen kannte. Lenné kam kurz vor deren Fertigstellung Anfang Mai 1858 nach Leipzig und besah sich dabei auch das zukünftige Parkgelände. Den Entwurf sandte er am 23. Juni 1858 an Seyfferth mit der Empfehlung, für den Park noch einen Teil der feuchten Universitätswiesen zu erwerben, um hier einen Teich anzulegen und mit den Aushubmassen ein bewegtes Parkgelände zu modellieren.

Durch einen erst 1861 perfekten Grundstückstausch zwischen Flächen der Thomas-, Universitäts- und Seichwiesen entstand endlich ein respektables Gelände zur Anlage eines Landschaftsparks. Für seine Gestaltung hatte Lenné auch Motive des von ihm geplanten Marly-Gartens in Potsdam verwendet. Wie dort zierten einst reiche Schmuckpflanzungen den Park. Besonders aufwendig war die Gestaltung des Blumengartens gegenüber dem Seyfferthschen Haus an der Stelle des heute von Hängesilberlinden eingefassten Rondells.

Der Leipziger Ratsgärtner Wittenberg hatte in der Folgezeit die Aufgabe, die Lennésche Planung den örtlichen Verhältnissen und weiteren Wünschen Seyfferths anzupassen und zu realisieren. Um 1863 waren wohl die wichtigsten Arbeiten fertiggestellt. Seyfferth übergab den Johannapark der öffentlichen Nutzung, sorgte aber bis zu seinem Tod im Juli 1881 weiter für dessen Unterhaltung.

Die weitere Geschichte des Parks

Nachdem der Park 1881 in das Eigentum der Stadt übergegangen war, ließ der Ratsgärtner Wittenberg die Pflanzungen und Wiesen überarbeiten und die Spazier- und Fahrwege gründlich ausbessern. 1882/83 erhielt der Teich eine Fontäne.

Bereits im Mai 1865 war nördlich der alten Parkgrenze auf der Thomaswiese der „Schreberplatz der Westvorstadt“ angelegt worden, die ersten Anlage dieser Art überhaupt. Sie entstand auf Initiative des Schrebervereins der Westvorstadt, der 1865 unter anderem vom Schuldirektor Dr. E. Innocenz Hauschild gegründet worden war, um dem Mangel an Spielplätzen für die Jugend entgegenzuwirken. Aufgrund der geplanten Bebauung der Thomaswiesen musste der Platz jedoch bereits 1875 auf die Fleischerwiesen an der Alten Elster umziehen, wo er sich heute noch befindet.

Daraufhin erfolgte 1880/81 die Erweiterung des Parks in dem Bereich bis zur Bismarck-, der heutigen Ferdinand-Lasalle-Straße. In den Jahren 1884 bis 1887 wurde die Lutherkirche nach Plänen des Architekten Julius Zeisig gebaut. Der 1891 angelegten Karl-Tauchnitz-Straße fiel ein Stück des südlichen Parkgeländes zum Opfer.

1897 fand in Leipzig die Sächsisch-Thüringische Industrie- und Gewerbeausstellung statt. Bei der Wahl des Ausstellungsortes entschieden sich die Stadtväter für das Gelände zwischen dem Johannapark und dem um 1877 als Volkspark gestalteten Scheibenholz. Wittenberg hatte bereits vorher für dieses Gebiet Gestaltungsentwürfe geliefert, doch erst das Ausstellungsprojekt und Mittel aus der Grassistiftung ermöglichten die Realisierung.

In diesem Zusammenhang wurde auch der feuchte, mit kleinen Wasserläufen durchzogene Bereich zwischen dem Johannapark und der Marschnerstraße verfüllt und gestaltet. Nach der Ausstellung wurde die Parkanlage vollendet. Sie erhielt 1898 anlässlich der 25jährigen Thronbesteigung König Alberts den Namen „König-Albert-Park“.

Dank der strengen Testamentsbestimmungen blieb der Johannapark bis zum Zweiten Weltkrieg fast unverändert erhalten. Nur einige eiserne Einfassungen und der Schmied des Bismarckdenkmals wurden zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Während des Krieges wurde ein großer Teil der Villenbebauung an der ehemaligen Weststraße durch Bomben zerstört.
1960 wurde hier die Friedrich-Ebert-Straße durchgeführt. Der Park erhielt in diesem Zusammenhang eine Erweiterung durch die Flächen einiger Villengärten, unter anderen auch der Seyfferthschen.

1955 wurde der Johannapark gemeinsam mit den anderen Parkanlagen der sich anschließenden Aue unter dem Namen Clara-Zetkin-Park zusammengefasst.

 
 

deli.cio.us Mister Wong

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