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Der Eutritzscher Park – einst und heute

Im Leipziger Stadt- und Dorfanzeiger vom 3.11.1900 wird berichtet: „Die Arbeiten an der zwischen Eutritzsch und dem so genannten Franzosenviertel im Erlengrunde anzulegenden Parkanlage sind jetzt soweit gediehen, dass man, da die Erdarbeiten ziemlich beendet sind, jetzt schon erkennen kann, dass damit wieder etwas Gutes in dieser Beziehung geschaffen wurde. Der in der Mitte der Anlage ausgehobene Teich ist durch nachdringendes Grundwasser schon zum Teil gefüllt. Die durch das Areal fließende Wiederitzscher Rietzschke muss auf eine große Strecke verlegt und überdeckt werden, da die ihr zu mancher Zeit entströmenden Düfte die Freude an dem zukünftigen Parke sehr trüben und den Aufenthalt in demselben nicht gerade zu einem angenehmen machen würden.“

Heute werden Regen- und Grundwässer vornehmlich aus dem Gelände der Neuen Messe und dem Gewerbegebiet auf dem ehemaligen Flugplatz Mockau – ohne durch Abwässer verschmutzt zu sein – in den Bach geleitet, der jahrzehntelang völlig trocken lag. Er schlängelt sich am Rande des Parks hin, ehe er an der Coppistraße Richtung Geibelstraße unterirdisch weitergeführt wird.

Wie schon im April 1911, als mit dem Haushaltsplan für 1912 die Erweiterung der Parkanlage um den Parkteil B beschlossen wurde, stehen auch heute wieder die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen hinsichtlich Spiel und Bewegung im Vordergrund. Damals wurde auch bei den Anpflanzungen Rücksicht auf die Heranwachsenden genommen.
Dieses Anliegen ist auch jetzt ein wichtiger Gesichtspunkt bei den notwendigen Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen. Die Beschattung durch den großen, erhaltenswerten Baumbestand wird allerdings weiterhin intensiv sein, so dass an den Stellen, die ehemals durch artenreiche Sträucher einen besonderen Reiz ausüben, nun schattenverträglichere Arten gepflanzt werden sollen. Weiterhin sind großflächige Krautzonen mit für Bachauen typischen Wildstauden wie z.B. Lerchensporn, Buschwindröschen, Lungenkraut, Waldgoldstern und Scharbockskraut vorgesehen.

Die Verbindung der beiden großen Leipziger Stadtteile in diesem Bereich soll mit einem „grünen Weg“ zwischen Delitzscher Straße, Gräfestraße, Hegelstraße und Virchowstraße erfolgen. Der im Frühjahr 1997 zerstörte historische Steg über die Rietzschke muss dazu wieder instandgesetzt werden. In die Planung ist das Areal des ehemaligen Gräfe Gutes mit einbezogen. Dort sollen mit dem eventuellen Ausbau des Hauses Gräfestraße 9 ein Jugendobjekt und mit der Freiflächengestaltung bis zur Rietzschke Sport- und Spielobjekte für Jugendliche geplant und gebaut werden.

 

Problemzone Parkteich

In der Niederung der Nördlichen Rietzschke schienen allzeit günstige Wasserverhältnisse zu herrschen. Was lag näher, als im südlichen Teil des Parks eine Wasserfläche zur Belebung der Anlage vorzusehen? Eine mittig angelegte Fontäne sollte der Verschönerung dienen. Ein Hauptgrund für die Planung eines Teiches war 1896 der Wunsch der Bürger nach einer Eisbahn in Eutritzsch/Gohlis. 1899/1900 konnte die Eisbahn erstmals genutzt werden.

Im Dezember 1899 war der 9300 Quadratmeter große Teich mit Wasser gefüllt und im Sommer 1900 wieder leer! Ursache war nach Meinung der Experten der Schleusenbau der Rietzschke. Grundwasser, das früher zur Speisung des Teiches zur Verfügung stand, wurde jetzt im Abwassernetz abgeführt. Zudem war offenbar auch die Teichsohle zu tief ausgehoben. Der Vorschlag, mit Wasser aus dem städtischen Netz nachzuhelfen, wurde aus finanziellen Gründen verworfen. In der Folgezeit versuchte man mit Ton- und Lehmeinschlämmungen den Parkteich abzudichten. In einer öffentlichen Bekanntmachung vom 4.6.1920, in der das Wasserholen aus dem Teich mit Kannen und Eimern zwecks Vermeidung der Dichtungsbeschädigung untersagt ist, wird die erfolgreiche Abdichtung des Teiches unterstrichen.

1937 wurde der Teich nochmals um 1,5 Meter vertieft, aber in den 70ger Jahren bewirkten der nördliche Kohleabbau und die Trockenlegung der Rietzschke erneut einen tiefen Wasserspiegel.
Ungeachtet dessen bietet der Teich den zahlreichen Spaziergängern mit seinen Seeroseninseln und mit den Wasservögeln, wie Blessrallen und Enten, ein zu jeder Jahreszeit abwechslungsreiches Bild. Teich- und Seefrosch, Teichmolch und Erdkröte besiedeln das Gewässer. Stellvertretend für die 12 hier festgestellten Fischarten soll der in Sachsen vom Aussterben bedrohte Bitterling genannt werden.

 
 

deli.cio.us Mister Wong

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