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Ein Spaziergang um die Leipziger Innenstadt auf dem Promenadenring |
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Wussten Sie, dass der Promenadenring der älteste städtische Landschaftspark Deutschlands ist? Die Stadt nutzte seit den 1770er Jahren den Rückbau ihrer Befestigungsanlagen zur Anlage dieses grünen Ringes.
Erkunden Sie das Zentrum von Leipzig doch einmal vom grünen Promenadenring aus! Er umschließt den Stadtkern und begrüßt jeden, der sich vom Hauptbahnhof oder von den vielen Zubringerstraßen kommend dem Zentrum nähert. Promenieren Sie auf lauschigen Wegen unter den Kronen majestätischer Bäume. Von Zeit zu Zeit treten repräsentative Gebäude aus der grünen Kulisse. Liebevoll gestaltete Schmuckbeete setzen von April bis Oktober farbige Akzente. Auf dem Weg werden Sie auch zahlreiche Denkmale finden, welche an verdienstvolle Persönlichkeiten erinnern, die in Leipzig lebten.
Gemeinsam mit den außerhalb des Ringes existierenden, öffentlich zugänglichen barocken Bürgergärten, wurden die Leipziger Promenadenanlagen international als gartenkünstlerische Sehenswürdigkeit bekannt. Trotz einiger Verluste und Überprägungen ist die kulturgeschichtlich wertvollen Substanz des Ringgrüns bis heute als einzigartiges und beeindruckendes Ensemble größtenteils erhalten und steht unter Denkmalschutz.
In der folgenden Übersicht werden die sieben Teile genauer vorgestellt. |
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Müller-Denkmal
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Der untere Park
Der beste Ausgangspunkt für einen Spaziergang durch den Leipziger Promenadenring ist das Müller-Denkmal, das 1819 von den Leipziger Bürgern errichtet wurde. Leipzig hat dem Bürgermeister Carl Wilhelm Müller (1728-1801)viel zu verdanken. Unter anderem reformierte er das Schulwesen der Stadt und initiierte die Einrichtung eines Konzertsaales im alten Gewandhaus. Sein bedeutendstes Verdienst war zweifellos die Schaffung der Promenadenanlagen.
Der Untere Park gegenüber dem Hauptbahnhof wurde ab circa 1770 angelegt und hat im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Veränderungen erfahren. Die gravierendste erfolgte in den Jahren 1910 bis 1915 im Zusammenhang mit dem Neubau des Hauptbahnhofes. Der Leipziger Gartendirektor Carl Hampel lieferte den Entwurf für eine repräsentative symmetrische Anlage, die auf die Gestaltung des Bahnhofs Bezug nimmt.
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Schwanenteichanlage
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Der obere Park
Umläuft man das Stadtzentrum weiter im Uhrzeigersinn, kommt man nach Überquerung der Goethestraße zum Oberen Park. Dieser wird im Volksmund Schwanenteichanlage genannt, weil hier ein Teil des alten wasserführenden Stadtgrabens erhalten und zu einem Teich umgestaltet wurde.
Während der nördliche Bereich immer noch an die historische Grundstruktur der Promenade um 1800 erinnert, bietet der südliche Abschnitt heute ein gänzlich anderes Bild. An der Stelle des Schneckenberges, dem heutigen Standort der Oper, begann ab 1864 der Bau des Neuen Theaters. Am Abhang des Berges plätscherte ein künstlicher Wasserfall. Mit dem Neubau der Oper 1959/60 wurde die Anlage völlige umgestaltet und der Schwanenteich neu angelegt.
Richard-Wagner-Denkmal, 1983 zum 100. Todestag Richard Wagners errichtet Eisenbahn-Obelisk, um 1876 zu Ehren der Initiatoren der Leipzig-Dresdner Eisenbahn errichtet
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Auf dem Augustusplatz, Teil des Mendebrunnens im Vordergrund
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Augustusplatz
Mit dem Beginn der Auffüllung 1784 wurden zunächst nur zwei runde, mit Bäumen eingefasste Rasenplätze angelegt. Ab etwa 1830 begann die architektonische Fassung des Platzes, 1831 wurde das Grimmaische Tor abgetragen. 1852 erfolgte die Beseitigung der beiden Rasenplätze. 1856/58 wurde an der Stelle des heutigen Gewandhauses ein Museum gebaut. Ab 1862 wurde der Platz nach Entwürfen des Gartenküstlers Lenné neu gestaltet und 1864 wurde das Neue Theater gebaut. 1888 erfolgten die Erweiterung des Museums und die Aufstellung des Mende-Brunnens. Zur Verbreiterung der Straßenfläche wurden 1927 die Baumalleen entlang des Ringes und des Grimmaischen Steinweges gefällt.
Im Zweiten Weltkrieg wurden viele der den Platz prägenden Gebäude zerstört. Zu einer Wiederaufwertung des Platzes kam es in den 1980er Jahren, als das Neue Gewandhaus erbaut, der Mendebrunnen saniert und auf dem Platz Lindenalleen gepflanzt wurden. In den 1990er Jahren erhielt der Platz im Zusammenhang mit dem Bau der Tiefgarage ein neues Gesicht.
Mende-Brunnen, finanziert aus den Stiftungsmitteln der Kaufmannswitwe Marianne Pauline Mende, geb. Thieriot
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Lennéanlage, Bild: Eberhard Mai
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Lennéanlage
Diese heute auch als Schillerpark bezeichnete Anlage ist ein bedeutendes Gartendenkmal und wurde 1858 fertiggestellt. Eine Allee vor dem Peterstor gab es bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, um 1794 wurde die Promenade neu angelegt und 1796 begann der Bau der Bürgerschule auf der Moritzbastei. In der Mitte des 19. Jahrhunderts beschlossen die Stadtväter, die Magazingebäude entlang der heutigen Schillerstraße abzureißen und den Stadtgraben zu verfüllen. Der Rat beauftragte Peter Joseph Lenné mit der Gestaltung der neuen Promenadenanlagen. Durch die Einbeziehung eines größeren Areals in die Neugestaltung entstand eine großzügige Parkanlage, die ein von Gehölzkulissen gerahmter Wiesenraum mit erstaunlicher optischer Tiefenwirkung auszeichnet. Mit der Anlage des Promenadenhügels war der Blick zum Turm der Pleißenburg möglich . 1865 wurde das Peterstor abgerissen und ab 1927 gab es bedeutende Flächenverlusste durch Straßenerweiterung. Die äußere Allee fehlt heute fast vollständig.
Die Moritzbastei ist als ehemaliges Festungsbauwerk erhalten geblieben. Das Gebäude wurde um 1550 nach Plänen von Hieronymus Lotter errichtet. In den 1970er Jahren wurden die verschütteten Gewölbe von den Studenten der Universität freigegraben. Seither wird die Moritzbastei als Studentenclub genutzt.
Koch-Denkmal, Dr. Otto Koch, 1810-1876, Bürgermeister in Leipzig von 1849-1876 Schumann-Denkmal, Robert Schumann, Musiker Gellert-Denkmal, Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769, Dichter und Philosoph Schiller-Denkmal, 1914 anlässlich des 109. Todestages von Friedrich Schiller auf Veranlassung der Leipziger Schiller-Gesellschaft errichtet
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Goerdeler-Denkmal
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Martin-Luther-Ring
An der Stelle des Neuen Rathauses befand sich noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Pleißenburg, eine Keimzelle der Leipziger Stadtentwicklung. Nach deren Abriss erhielten die Promenadenanlagen 1881 bis 1883 nach Plänen des städtischen Gartendirektors Carl Hampel ein neues Gesicht. Charakteristisches Element war eine die gärtnerischen Anlagen umrahmende Platanenallee, von der heute noch eine Baumreihe vorhanden ist.
Seit jüngster Zeit gibt es, eingebettet in die Rasenfläche an der Südwestseite des Neuen Rathauses, ein modernes Erinnerungsmal, das Goerdeler-Denkmal. Es ist dem Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler (1884-1945) gewidmet, einem Teilnehmer des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Die außergewöhnliche Anlage erinnert mit Glockenschlag aus der Tiefe an die Ereignisse des 20. Juli 1944, in deren Folge Goerdeler hingerichtet wurde.
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Blick auf die Innenstadt mit Dittrichring und Gördelerring, Bild: Eberhard Mai
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Dittrichring An der Westseite der Innenstadt sind die Promenadenanlagen in ihrer historischen Ausdehnung nahezu ungestört erhalten geblieben. 1725 erfolgte die Anlage der ersten Promenade, dem so genannten Muhmenplatz, wo besonders viele Leipziger Kindermädchen mit ihren Schützlingen im Schatten der Linden spielten.
Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert kam es zu einer tiefgreifenden Umgestaltung dieses Stadtraumes. Die barocke Gebäudesubstanz wurde abgebrochen und durch eine moderne Neubebauung ersetzt. Die zur Promenadenseite hin schmucklose Thomaskirche erhielt ein reich ornamentiertes neogotisches Westportal. Dem veränderten städtebaulichen Rahmen und Zeitgeschmack entsprechend wurden die Promenadenanlagen nach dem Projekt des Gartendirektors Hampel zwischen 1903 und 1906 neu gestaltet. Bis heute sind vor der Thomaskirche zwei alte Kastanien erhalten geblieben, die hier im Wechsel mit Linden die Promenadenallee bilden.
Plato-Dolz-Denkmal, zum 100jährigen Bestehen der Ratsfreischule den ersten beiden Direktoren Karl Gottlieb Plato und Johann Chr. Dolz gewidmet Bach-Denkmal, 1843 von Felix Mendelsohn-Bartholdy gestiftet Hiller-Denkmal, Johann Adam Hiller, 1728-1804, Kantor der Thomaskirche Märchenbrunnen, 1906 errichtet, Bildhauer Josef Magr konzipierte den Entwurf mit Motiven aus "Hänsel und Gretel"
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Hahnemanndenkmal, historische Aufnahme
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Goerdelerring/Tröndlinring
Im nördlichen Teil der Promenadenanlagen sind die schmerzlichsten Verluste zu verzeichnen. Den Bereich dominierte früher das berühmte Alte Theater, das 1766 auf der ehemaligen Ranstädter Bastei errichtet worden war. Wie auf dem Augustusplatz markierten hier paarweise angeordnete Rasenrondelle die Plätze vor den Stadttoren. Am Richard-Wagner-Platz sind sie in Resten noch vorhanden. Um 1830 kam es zur Schaffung neuer Promenadenanlagen, seit 1851 gibt es das Denkmal für den Leipziger Arzt Samuel Hahnemann. 1904 wurden die Anlagen durch Hampel umgestaltet und 1913 die Treppe zum Matthäikirchhof gebaut.
Im Zweiten Weltkrieg wurden das Alte Theater und die Matthäikirche schwer beschädigt und später abgerissen. Über den ehemaligen Standort des Alten Theaters führt heute die Ringstraße. Weil die „Klinger-Treppe“ in den 1970er Jahren einer Baumaßnahme im Wege war, wurde sie kurzerhand abgebrochen.
Hahnemann-Denkmal - Samuel Hahnemann, 1755-1843, Begründer der Homöopathie, 1816-1822 Dozent an der Leipziger Universität Wagner-Denkmal, 1924 Aufstellen des unvollendeten Denkmalssockels im Klinger-Hain Klinger-Treppe, Treppenanlage zur Zeit eingelagert
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Vielleicht haben Sie während des Spaziergangs auf einer der typischen Ruhebänke in den Promenadenanlagen Platz genommen. Diese Bank hat auch ihre Geschichte. Bereits 1725 wurden in der Allee zwischen dem Thomas- und dem Barfußpförtchen eine Anzahl von Bänken aufgestellt. Im Zusammenhang mit der Gestaltung der Lenné-Anlage führte man 1858 die Leipziger Promenadenbank ein, die aus gusseisernen astartigen Seitenteilen und Holzauflagen bestand. Dieser Banktyp wurde später in allen Anlagen verwendet. Kurios war, dass die Promenadenbänke lange Zeit in zwei verschiedenen Farbenvarianten existierten: Weil die Kinderwärterinnen mit ihren Kindern zeitweise sämtliche Bänke belegten, erhielt ein Teil einen gelblichbraunen Anstrich mit der Aufschrift "Kinderbank", die übrigen Bänke wurden silbergrau gestrichen und waren "Nur für Erwachsene" bestimmt. Diese Unterteilung war noch 1910 zu verzeichnen. |
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