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Vorkommen ausgewählter Tierarten und ihre Ansprüche an die Waldbestände der Leipziger Auen

(SCHILLER, R., Naturkundemuseum Leipzig, 1999)

Ziel der Erarbeitung einer Pflege- und Entwicklungskonzeption für das Landschaftsschutzgebiet "Leipziger Auwald" war unter anderem die Erfassung und Bewertung ausgewählter Tierartengruppen, um Hinweise zu Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen geben zu können. An wenigen ausgewählten Beispielen sollen Hinweise zur forstwirtschaftlichen Entwicklung vorgestellt werden. Der Schwerpunkt liegt bei holzbewohnenden Käfern und Großschmetterlingen, weil aus diesen Gruppen überregional bedeutsame Arten nachgewiesen wurden.

Vorausgeschickt werden sollen einige Angaben zu Wirbeltieren. Auwälder, als strukturreiche, mehrschichtige Waldbiotope, bieten beispielsweise den Höhlenbrütern unter den Vögeln, sogenannten Baumfledermäusen oder anderen Kleinsäugern bevorzugt Lebensraum. Im Unterschied zu den Lurchen und der Ringelnatter im Leipziger Auwald, die sehr eng an Gewässer gebunden sind, müssen deshalb die speziellen abiotischen Faktoren, beispielsweise Überflutungen, der Auwälder nicht unbedingt für ein Vorkommen ausschlaggebend sein.

Entscheidend sind vielmehr:

  • verschiedene Baumarten in unterschiedlichen Altersklassen auf der gleichen Fläche
  • Ausbildung der Kraut- und Strauchschicht
  • Altholzanteil
  • Ausbildung von Grenzstrukturen zwischen verschiedenen Biotopen


So nimmt die Arten- und Individuendichte in derartigen Lebensräumen gegenüber einschichtigen Beständen zu. Der Anteil von Höhlenbrütern, Stammkletterern oder Großvögeln steigt in Beständen mit Althölzern deutlich an. Eine Reihe von Arten gilt als typisch für derartige Strukturen, so der Mittelspecht, eine Art, die im Leipziger Raum nahezu nur im Auwald brütet und sehr eng an Alteichen gebunden ist.

Lebensräume für Insekten

Drei Lebensraumtypen der Leipziger Auen sind für Insekten besonders wichtig. Einmal sind es die Feuchtgebiete mit ihren Tümpeln und Lachen, die vielen Libellen, Wasserkäfern und anderen aquatischen Insekten Lebensraum bieten.
Auch angrenzende Feuchtwiesen weisen seltene Arten, wie Ameisenbläulinge auf. ARNOLD (1993) fand in den Papitzer Lehmlachen circa 50 % der heimischen Libellenarten. Aus demselben Gebiet ist das einzige Vorkommen dreier Wasserkäfer für ganz Sachsen bekannt (KLAUSNITZER 1996). Die Gesamtartenliste (FICHTNERs 1984) umfasst allein für die Papitzer Lehmlachen rund 70 Arten.

Wie die aktuelle Situation dieser Artengruppe in der Aue ist, kann mangels Daten nicht eingeschätzt werden. Im Landschaftsschutzgebiet dürften die Hauptgefährdungsursachen für Wasserinsekten vor allem die zunehmende Austrocknung der Kleingewässer, die Gewässereutrophierung sowie andere Stoffeinträge, welche die Gewässer belasten, sein.

Alle Maßnahmen, die dem Erhalt von Gewässern und Wasserpflanzengesellschaften, der Sicherung des Wasserhaushaltes oder der Verbesserung der Wasserqualität dienen, tragen zum Erhalt der Wasserinsektenfauna bei. Auch die Anlage von Ersatzgewässern kann diesem Ziel dienen, allerdings: “...muss vor zu großen Erwartungen an die Sekundärbiotope gewarnt werden. Viele Wasserkäfergesellschaften (bzw. -arten) stellen sich (wenn überhaupt) erst nach langen Zeiträumen ein, und eine Unterbrechung der "Faunentradition" kann zum Verlust von Arten führen."

Ebenso bedeutsam sind die Auwaldbereiche mit einem hohen Anteil von Altbäumen, insbesondere alter Eichen. Übrigens sind in Mitteleuropa ca. 3000 Insektenarten an Eichen gefunden worden, mehr als an jeder anderen heimischen Baumart. Häufig sind diese Gebiete früher als sogenannte Mittelwälder zur Brenn- und Bauholzgewinnung bewirtschaftet worden. Heute bieten diese Gebiete beispielsweise holzbewohnenden Käfern, von denen in Deutschland mehr als 60 % der 1343 Arten gefährdet sind (nach KLAUSNITZER 1996), Überlebensmöglichkeiten.

Die Bewertung der Artenliste führt zu der Schlussfolgerung:
„... so ist der Leipziger Auwald aufgrund der gemeldeten Holzkäferfauna als eines der ‚wichtigsten Refugien für Urwaldreliktarten‘ in Deutschland anzusehen...“ (STUFA 1996).

Die schutzrelevanten Arten besiedeln unterschiedlichste Kleinstlebensräume, wobei Alteichen, gut besonntes, stehendes Totholz und unterschiedliche Zerfallsstadien von Holz wahrscheinlich die größte Bedeutung haben. Zwei der nachgewiesenen Bockkäfer sind in Sachsen vom Aussterben bedroht, drei weitere stark gefährdet.

Die bisherigen Untersuchungen weisen auf die Bedeutung der Hartholzauen als Lebensraum holzbewohnender Käfer hin. Der Erhalt von Altbaumgruppen sowie aller natürlichen Alterungs- und Zerfallsstadien ist im gesamten Landschaftsschutzgebiet von hoher Bedeutung. Der Eiche kommt dabei die zentrale Bedeutung zu. Langfristig ist ihr Bestand im Gebiet zu sichern. Dazu gehört auch, dass bei fehlender Naturverjüngung forstwirtschaftliche Eingriffe und Neuanpflanzungen auentypischer Gehölze notwendig sind, wobei Altbäume zu schonen sind. Kleinflächige Auflichtungen und das Freistellen von Altbäumen erhöhen den Strukturreichtum der Wälder und schaffen Verhältnisse, die der Mittelwaldwirtschaft ähneln

Daraus folgt weiterhin eine unterschiedliche Bewertung von Sukzessionsabläufen. Soweit wie möglich sollte totes oder geschlagenes Holz über alle Stadien im Wald verbleiben und Maßnahmen zur "Baumsanierung" auf ein Mindestmaß reduziert werden. Eine Verschiebung des Baum- und Strauchartenspektrums als Ergebnis zunehmender Austrocknung oder äußerer Stoffeinträge, falls man die übermäßige Vermehrung von Holunder und Ahorn unter diesem Aspekt überhaupt als "natürliche" Sukzession betrachten kann, gefährdet die Bedeutung des Landschaftsschutzgebietes als Lebensraum hochgradig spezialisierter Arten und erfordert deshalb geeignete Gegenmaßnahmen.

Der Leipziger Auwald ist auch Lebensraum für den europaweit gefährdeten Eschenscheckenfalter. Außerdem haben einige an Ulmen gebundene Tag- und Nachtfalter ihren Verbreitungsschwerpunkt für Sachsen in unserem Auwald.

 
 

deli.cio.us Mister Wong

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