Vom Aussterben bedrohte Großschmetterlinge der Roten Listen |
Im Auwald gibt es aktuelle Nachweise für 5 Arten, die in Sachsen vom Aussterben bedroht sind. Für den Eschenscheckenfalter (Euphydryas maturna) gilt dies auch für Deutschland, der Eulenfalter Cosmia diffinis (Raupe an Ulme, D: stark gefährdet) und der Spanner Lycia pomonaria (Raupe an Linde und anderen Laubhölzern, D: gefährdet) haben ihren Verbreitungsschwerpunkt für ganz Sachsen im Landschaftsschutzgebiet. Das Pappelkarmin (Catocala elocata; Weichholzauen und Kopfweidenbestände) besiedelt in Sachsen vorwiegend Flußauen (Elbe, Mulde, Weiße Elster). Außerhalb dieser Gebiete liegen nur Einzelfunde vor (FISCHER 1994). Als verschwundene Arten seien Mesogona oxalina (Weichholzauen) und Aedia funesta (Flussufer) genannt. Sie wurden um die Jahrhundertwende nur in wenigen Exemplaren gefunden und gehören auch zu den auentypischen Arten.
Beispiele für überregional und regional stark gefährdete Arten
In Deutschland sind der Ulmenzipfelfalter (Satyrium w-album - Raupe an Ulme) und der Sichelflügler Sabra harpagula (Raupe vorwiegend auf Linde) stark gefährdet. Von den aktuell in Sachsen nachgewiesenen stark gefährdeten Arten sind Cosmia affinis, Cyclophora porata und Perizoma affinitatum Bewohner von Laubwäldern. Auch Cosmia affinis lebt an Ulme, allerdings ist sie in Sachsen weiter verbreitet als Cosmia diffinis. Im Landschaftsschutzgebiet ist sie in den letzten Jahren deutlich häufiger als Raupe oder als Falter gefunden worden. Der Spanner Cyclophora porata lebt als Raupe an Eichenbüschen der Waldränder. Bisher liegt nur ein aktueller Nachweis aus der Burgaue vor. Perizoma affinitatum, ein Spanner, dessen Raupe an der Roten Lichtnelke lebt, ist an feuchte Laubwälder gebunden (vgl. ERLACHER 1993). Von Satyrium pruni (Raupe auf Schlehe und Pflaume) liegt ebenfalls nur ein aktueller Nachweis vor. Wie bei anderen Zipfelfaltern ist eine gezielte Raupensuche sinnvoll, denn die Art wurde in der Vergangenheit regelmäßig gefunden.
Weitere Arten der Roten Listen
Von den 28 gefährdeten Großschmetterlingsarten mit aktuellen Funden leben 10 im Offenland, vorwiegend auf Magerrasen, 6 Arten besiedeln Feuchtwiesen und feuchte Hochstaudenfluren. Die übrigen 12 Arten dieser Gefährdungskategorie sind an Laubwälder, Waldränder und Gebüschgruppen gebunden. Bei den sogenannten "seltenen" Arten (Kategorie R der Roten Listen) dominieren Spanner feuchter Laubwälder, die an typische Baum- und Straucharten der Auwälder, beispielsweise Esche, Feldahorn und Linde oder Blutroten Hartriegel, gebunden sind.
Mögliche Ursachen könnten, neben den verfügbaren Raupenfutterpflanzen, sowohl die klimatische Situation, einige Arten sind thermo- und hygrophil, als auch die traditionelle Mittelwaldwirtschaft sein. KÖPPEL (1997) fand in der Rastatter Rheinaue bei Untersuchungen von Weich- und Hartholzauen sowie Hochwasserdämmen innerhalb von 3 Jahren 379 Großschmetterlingsarten, in etwa dieselbe Größenordnung der vorliegenden Daten. Er weist darauf hin, dass keine der heimischen Arten Überflutungen braucht, sondern über die auenspezifischen Lebensräume und ihre Vegetationsstruktur an den Lebensraum gebunden ist. Seine Beobachtungen zeigen, dass Arten der Bodenvegetation zwar ausweichen können, Überschwemmungen aber immer zu Populationseinbrüchen führen. Eine weitere Schlussfolgerung, die er zieht, ist, dass eine Überflutung mit fließendem Wasser, bedingt durch den höheren Sauerstoffgehalt, besser toleriert wird als stehendes Wasser. |