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Forstliche Bewirtschaftung zur Erhaltung des Artenreichtums der Hartholzaue |
(SICKERT, A., Abteilung Stadtforsten, 1999)
Herleitung der Zielvorgaben
Die im Artikel „Vorkommen ausgewählter Tierarten und ihre Ansprüche an die Waldbestände der Leipziger Auen“ dargestellten Beispiele des Artenreichtums der Leipziger Hartholzaue belegen folgende für den Bewirtschafter und Verwalter wichtige Aussagen:
- Eine wesentliche Voraussetzung für den Artenreichtum und das Vorkommen seltener, geschützter und zum Teil vom Aussterben bedrohter Arten ist der Baumartenreichtum der Hartholzaue, vor allem ein hoher Anteil der Stieleiche (Quercus robur).
- Eine weitere Grundlage ist ein vielfältig strukturierter Waldbestand, bei dem alle Baumarten eine ausgeglichene Altersklassenverteilung aufweisen.
Das heißt: Vom Sämling bis zum totholzreichen Altbaum sollten alle Altersklassen bei allen Baumarten möglichst gleichmäßig verteilt vorkommen. Außerdem müssen die Bestände so strukturiert sein, dass Flächen mit unterschiedlichsten Lichtverhältnisse vorhanden sind. Das heißt: Von Flächen mit fast völliger Besonnung bis zu Waldteilen, die ein relativ schattiges Bestandesinneres aufweisen, sollte die gesamte Skala eines unterschiedlichen Lichtangebotes gegeben sein.
Die im Artikel zur Geschichte dargestellten gegenwärtigen Verhältnisse und Entwicklungstendenzen der Baumartenzusammensetzung und Bestandesstruktur zeigen eine bedenkliche Entwicklung des Rückganges der Baumartenvielfalt auf. Dies würde langfristig unweigerlich den Verlust des Artenreichtums der Leipziger Hartholzaue und das Aussterben einiger sehr seltener Arten nach sich ziehen. Eine der wichtigsten Aufgaben der Waldbewirtschafter ist die nachhaltige Sicherung des Baumartenreichtums und der Strukturvielfalt der Hartholzaue zur Sicherung des Artenreichtums überhaupt.
Um die Baumartenzusammensetzung in der Leipziger Hartholzaue zu beeinflussen, bieten sich im Augenblick hauptsächlich zwei Möglichkeiten:
1. Die erste ist die Herstellung einer Überflutungsdynamik, ähnlich wie sie vor den großen Flussregulierungsmaßnahmen existierte. Dabei wird ausgenutzt, dass die verschiedenen Baumarten eine unterschiedliche Überflutungstoleranz haben. Während diese bei der Stieleiche (Quercus robur) z. B. mehrere Monate beträgt, liegt sie bei der Esche (Fraxinus excelsior) bei maximal 30 bis 40 Tagen, bei Ulmen (Ulmus spec.) bei mindestens 100 Tagen, für Bergahorn (Acer pseudoplatanus) bei acht bis elf Tagen und für Spitzahorn (Acer platanoides) bei nur wenigen Tagen (DISTER 1983, in THOMASIUS/SCHMIDT 1996). Weiterhin werden durch Überflutungen die Standortverhältnisse zugunsten einiger Baumarten, z.B. der Feldulme (Ulmus minor) und anderer Edellaubhölzer, verbessert (vor allem durch Nährstoffanreicherung infolge Sedimentation). Es muss aber festgestellt werden, dass die Überflutung der Aue auch in historischer Zeit immer kombiniert war mit forstlichen Eingriffen und nie allein die Baumartenzusammensetzung beeinflusste. Außerdem sind die Möglichkeiten, Überflutungen durchzuführen aus heutiger Sicht immer flächig begrenzt. Deshalb wird die Flutung hoffentlich in Zukunft auf einigen Flächen der Leipziger Hartholzaue eine wichtige ergänzende Maßnahme zur Erhaltung bzw. Schaffung des Artenreichtums sein. Die wichtigste Rolle wird sie aber flächendeckend im gesamten Leipziger Auenwald nicht mehr spielen.
2. Weitere wichtige Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Baumartenzusammensetzung und Bestandesstruktur sind forstliche Maßnahmen. Es muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass die jahrhundertelange intensive, aber nachhaltige forstwirtschaftliche Nutzung des Auenwaldes im Mittelwaldbetrieb einer der wichtigsten Faktoren war, die zur Herausbildung des Artenreichtums führten. Da forstliche Bewirtschaftungsmaßnahmen auf allen Flächen des Hartholzauenbiotops technisch durchführbar und die ökonomischen Aufwendungen tragbar sind, stellen sie augenblicklich die beste Möglichkeit der menschlichen Einflussnahme dar. Günstig ist dabei vor allem, dass forstliche Eingriffe im Prinzip jederzeit möglich und sehr genau dosierbar sind. Es stellt sich somit die Frage, wie und mit welcher Zielstellung die forstliche Bewirtschaftung erfolgen soll.
Im Augenblick bestehen theoretisch drei Möglichkeiten:
1. Es werden im Wesentlichen überhaupt keine Maßnahmen durchgeführt. Die Eingriffe beschränken sich auf die Verkehrssicherung und eventuell notwendige Waldschutzmaßnahmen. Der gegenwärtigen Sukzession wird „freier Lauf“ gelassen. Damit würde sich die im Augenblick absehbare Entwicklungstendenz verstärkt fortsetzen und ein erheblicher Rückgang des Artenreichtums eintreten. Unter diesem Aspekt ist diese Möglichkeit abzulehnen. Sicherlich sollten einige Probeflächen zu Untersuchungs- und Vergleichszwecken aus der forstlichen Bewirtschaftung herausgenommen werden; für den gesamten Auenwald kommt diese Möglichkeit jedoch nicht in Betracht.
2. Es erfolgt die Überführung in den Mittelwaldbetrieb. In dieser Betriebsform wurde der Leipziger Auenwald bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts bewirtschaftet. Dabei beließ man einen relativ lockeren Oberbestand von aus Samen gezogenen Großbäumen – den sogenannten „Laßreiteln“. In der Hartholzaue wurde dieser Oberbestand größtenteils aus Stieleichen gebildet. Die in vielen Waldteilen noch zu findenden und durch die Starkeichenkartierung im Leipziger Stadtwald erfassten Alteichen sind größtenteils solche ehemaligen „Laßreitel“ und damit Relikte aus der historischen Mittelwaldbewirtschaftung. Das Unterholz bestand bei dieser Betriebsform hauptsächlich aus Stockausschlägen und Wurzelbrut anderer Auenbaumarten, wie z. B. Winterlinde, Hainbuche, Ulme. Im Leipziger Stadtwald erfolgte das Absägen des Unterholzes vor allem zur Brennholzgewinnung etwa aller 15 Jahre auf relativ großen Flächen (LANGE, 1959).
Tatsächlich wird z.B. in der „Verordnung zur Ausweisung des Naturschutzgebietes ‚Burgaue‘ vom 28.01.1998“ u.a. empfohlen, auch in Teilen des Schutzgebietes die Mittelwald-bewirtschaftung wieder aufzunehmen. Bedenkt man, dass im Mittelwaldbetrieb sehr hohe Aufwendungen erforderlich sind und dabei aber nur schwer verwertbare Holzsortimente mit geringer Wertleistung anfallen, ist es aus ökonomischer Sicht nicht möglich, diese Betriebsform großflächig wieder aufzunehmen. Hinzu kommt, dass es zu einer erheblichen Änderung des Landschaftsbildes führen würde. Somit ist es richtig und wünschenswert, die Mittelwaldbewirtschaftung auf einigen Flächen des Leipziger Auenwaldes wieder aufzunehmen. Auf dem Großteil der Hartholzaue ist dies in der Praxis aber nicht möglich. Als Alternative der forstlichen Bewirtschaftung, die unter den heutigen Umständen für das gesamte Areal des Leipziger Auenwaldes durchführbar ist und die auch praktiziert wird, kommt die folgende dritte Möglichkeit in Frage.
3. Die forstliche Bewirtschaftung erfolgt in einer Sonderform des Hochwaldbetriebes, und zwar so, dass eine Baumartenzusammensetzung und Bestandesstrukturen erhalten bzw. geschaffen werden, die den Artenreichtum der Hartholzaue erhalten und nachhaltig sichern. Das ist für den forstlichen Bewirtschafter eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, da auch landeskulturelle, ästhetische und ökonomische Aspekte stark beachtet werden müssen. Als Grundlage für alle Planungen und Bewirtschaftungsmaßnahmen wurden als Ziel in der Baumartenzusammensetzung die „idealen Zielbestände“ formuliert.
Der „ideale Zielbestand” definiert die Baumartenzusammensetzung und damit auch den Mischungsgrad eines Bestandes so, daß beim Erreichen dieses Zieles durch die dann herrschenden Bedingungen im Waldbestand das Fortbestehen des jeweiligen Biotops nachhaltig gesichert ist. Der „ideale Zielbestand“ stellt ein sehr langfristiges Ziel dar, in dessen Richtung die Entwicklung der Waldbestände bei allen Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen immer wieder initiiert werden soll, auch wenn dieses Ziel tatsächlich erst nach einem sehr langen Zeitraum oder nie erreicht wird.
Ziele
Für die Hartholzaue insgesamt wurde auf Grund historischer Studien, mathematischer Modelle und der Vergleiche mit anderen Auenwäldern folgender durchschnittlicher idealer Zielbestand definiert:
- Stieleiche (Quercus robur) - 40 %
- Bergahorn (Acer pseudoplatanus) - 5 %
- Ulmen (Ulmus spec.) - 5 %
- Winterlinde (Tilia cordata) - 10 %
- Hainbuche (Carpinus betulus) - 10 %
- Feldahorn (Acer campestre) - 5 %
- Gemeine Esche (Fraxinus excelsio) - 20 %
- Wildobst - 5 %
Dieser ideale Zielbestand wurde für alle Waldgesellschaften, Untergesellschaften und Varianten im LSG modifiziert, so dass eine Entwicklung angestrebt wird, die den Bedingungen des jeweiligen Mikrostandortes optimal angepasst ist. Den Standortformengruppen entsprechend der aktuellen Standortkartierung und der ersten Standortkartierung nach dem Zweiten Weltkrieg, wurden die geeignetsten Waldgesellschaften und Untergesellschaften zugeordnet (siehe folgende Tabelle).
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Standortformengruppe entsprechend Standortkartierung des StFB Grimma, 1988
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Standort entsprechend Standortkartierung des StFb Grimma, 1958
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Untergesellschaft der Hartholzaue
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Nicht kartiert; die relativ kleinflächigen Standorte müssen vom Bewirtschafter durch Ansprache der aktuellen Gegebenheiten erkannt werden, Ansprache als NR1 oder NR2 (Boden: Lehmerde; Wasser: nass bis offene Wasserfläche); teilweise Verlandungsstandorte (OR1,OR2, OK1, OK2, Teile von ÜR1)
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Au1 (nasse Auenstandorte, wurden 1958 bei größeren Flächen kartiert, kleine Flächen müssen vom Bewirtschafter durch Ansprache der aktuellen Gegebenheiten (Lehmerde, nass bis offene Wasserflächen) erkannt werden.
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- Leitgesellschaft: überwiegend Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald
- Unmittelbar an der Wasserlinie: Weichholzauenartige Bestockung
- In größerer Entfernung von der Wasserlinie, im unmittelbaren Übergangsbereich zu Au2: Wasserschwertlilien-Hartholzaue
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ÜR1 (auenartiger Standort, nährstoffreich, überdurchschnittlich wasserversorgt)
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Au2 (grundfeuchte Auenstandorte mit mächtiger Aulehmdecke, über 1 m)
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- Wasserschwertlilien-Hartholzaue
- Typische Hartholzaue, Bärlauch-Variante
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ÜR1 (auenartiger Standort, nährstoffreich, überdurchschnittlich wasserversorgt)
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Au2k (grundfeuchte Auenstandorte mit schwacher Aulehmdecke unter 1 m)
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- Lindenreiche Hartholzaue, Bingelkraut-Ausprägung
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ÜR2 (auenartiger Standort, nährstoffreich, durchschnittlich wasserversorgt)
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Au3 (trockene Auenstandorte mit mächtiger Aulehmdecke, über 1 m)
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- Lindenreiche Hartholzaue, typische Ausprägung
- Hainbuchenausbildung der Hartholzaue
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ÜR2 oder R2 (auenartiger Standort, nährstoffreich, durchschnittlich wasserversorgt oder R2, terrestrischer Standort)
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Au3K (trockene Auenstandorte mit schwacher bis fehlender Aulehmdecke, unter 1 m, über Flusskies und –sand) und teilweise Au3 (trockene Auenstandorte mit mächtiger Aulehmdecke über 1m)
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- Hainbuchen-Ausbildung der Hartholzaue
- Vor allem auf R2 auch Waldlabkraut-Hainbuchen-Eichenwald
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Um die Mikrostandorte der einzelnen Varianten, für die die entsprechenden idealen Zielbestände definiert wurden, durch den Bewirtschafter besser identifizieren zu können, wurde eine entsprechende Liste an Zeigerarten beigefügt (siehe folgende Tabelle). |
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Standortfaktoren
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Zeigerarten
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Leitgesellschaft, Untergesellschaft, Ausprägung, Variante
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Nasse, mineralische Standorte mit teilweise offenen, langzeitigen Wasserflächen auf Lehmerde (NR1, NR2, NK1, NK2) oder mit organischen Auflagen (über 20 %) oder mehr als 15 % organische Substrate im Bodensubstrat, teilweise „Verlandungsstandorte“ (OR1, OR2, OK1, OK2) im Auen-wald entlang und in Gräben, Senken, Altarmen Auenartige Standorte, nährstoffreich, überdurchschnittlich wasserversorgt, nähere Umgebung von Fließarmen, wassergefüllten Senken und Gräben (ÜR1)
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- Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris)
- Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara)
- Sumpf-Pippau (Crepis paludosa)
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Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald
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Auenartige Standorte, nährstoffreich, überdurchschnittlich wasserversorgt, nähere Umgebung von Fließarmen, wassergefüllten Senken und Gräben (ÜR1)
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- Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus)
- Sumpf-Labkraut (Galium palustre)
- Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis palustris)
- Wasserpfeffer (Polygonum hydropiper)
- Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea)
- Gemeiner Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris)
- Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria)
- Gemeiner Beinwell (Symphytum officinale)
- Wasser-Sumpfkresse (Rorippa amphibia)
- Hain-Sternmiere (Stellaria nemorum)
- Gemeiner Wasserdarm (Myosoton aquaticum)
- Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara)
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Eichen-Ulmen-Auwald; Wasserschwertlilien-Hartholzaue
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Umgebung von Fließwasserarmen und Gräben; nährstoffreichste Standorte; meist in den unteren, feuchteren Bereichen des Geländeprofils (ÜR1)
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- Bärlauch (Allium ursinum)
- Märzenbecher (Leucojum vernum)
- Hohler Lerchensporn (Corydalis cava)
- Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides)
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Eichen-Ulmen-Auenwald; Typische Hartholzaue; Bärlauch-Variante
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Wasserzügige Böden; geringmächtige Aulehmschicht; grundfeuchte Standorte (ÜR1)
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- Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis)
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Eichen-Ulmen-Auwald; Lindenreiche Hartholzaue; Bingelkraut-Variante
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Etwas trockenere Lehmstandorte (ÜR2)
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- Busch-Windröschen (Anemone nemorosa)
- Gefleckter Aronstab (Arum maculatum)
- Mittlerer Lerchensporn (Corydalis intermedia)
- Moschuskraut (Adoxa moschatellina)
- Wald-Goldstern (Gagea lutea)
- Scharbockskraut (Ranunculus ficaria)
- Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum)
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Eichen-Ulmen-Auenwald; Lindenreiche Hartholzaue; Typische Variante und teilweise Eichen-Ulmen-Auenwald; Hainbuchenausbildung
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Trockenste auenartige Standorte mit geringerer Aulehmdecke, Übergang zu terrestrischen Standorten (ÜR2 und R2)
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- Wald-Labkraut (Galium sylvaticum)
- Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium)
- Maiglöckchen (Convallaria majalis)
- Wald-Erdbeere (Fragaria vesca)
- Brombeere (Rubus fruticosus)
Schwerpunktauftreten von
- Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus)
- Süße Wolfsmilch (Euphorbia dulcis)
- Echte Sternmiere (Stellaria holostea)
- Hain-Rispengras (Poa nemoralis)
- in der Bingelkraut-Variante flächenweise Vorkommen von Bingelkraut (Mercurialis perennis)
Die Indikatorarten der Bärlauch-Variante fehlen.
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Eichen-Ulmen-Auwald; Hainbuchen-Ausbildung
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Terrestrische, trockene oder mäßig nährstoffhaltige Standorte, außerhalb der Auen, meist frisch bis feucht (K1; K2; WM2)
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- Hängebirke (Betula pendula)
- Hain-Veilchen (Viola riviniana)
- Tüpfel-Hartheu (Hypericum perforatum)
- Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos)
- Hain-Wachtelweizen (Melampyrum nemorosum)
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Nach SCHMIDT, 1995 werden alle diese Standorte als Waldlabkraut-Hainbuchen-Eichenwald (Galio sylvatici-Carpinetum) eingruppiert; im LSG Stieleiche, auf der Hügelkuppe des Bienitz Traubeneiche. Nach SCHUBERT, HILBIG, KLOTZ, 1995 erfolgt die Eingruppierung in den Sternmieren-Hainbuchen-Eichenwald (Stellario holosteae-Carpinetum) außer der Hügelkuppe des Bienitz, die ebenfalls dem Waldlabkraut-Hainbuchen-Eichenwald zugeordnet wird.
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Terrestrischer, trockener Standort auf der Hügelkuppe des Bienitz (M2)
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- Wald-Labkraut (Galium sylvaticum)
- Maiglöckchen (Convallaria majalis)
- Nickendes Perlgras (Melica-nutans)
- Verschiedenblättriger Schwingel (Festuca heterophylla)
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Waldlabkraut-Hainbuchen-Eichenwald (Galio sylvatici-Carpinetum) auf der Hügelkuppe des Bienitz mit Traubeneiche und erhöhtem Lindenanteil.
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Um die notwendigen Verjüngungsflächen, die zur nachhaltigen Entwicklung und Sicherung der idealen Zielbestände erforderlich sind, berechnen zu können, wurden folgende Umtriebsalter der verschiedenen Baumarten festgelegt bzw. ermittelt:
- Stieleiche - 240 Jahre
- Traubeneiche - 240 Jahre
- Gemeine Esche - 140 Jahre
- Winterlinde - 140 Jahre
- Hainbuche - 140 Jahre
- Feldahorn - 140 Jahre
- Bergahorn - 140 Jahre
- Ulmen - 140 Jahre
- Vogelkirsche - 140 Jahre
- Schwarzerle - 120 Jahre
- Weiden - 100 Jahre
- Frühblühende Traubenkirsche - 80 Jahre
- Wildapfel - 140 Jahre
- Wildbirne - 140 Jahre
- Eberesche - 140 Jahre
- Hängebirke - 120 Jahre
- Aspe - 120 Jahre
- Schwarzpappel - 120 Jahre
Hier muss darauf hingewiesen werden, dass nicht vorgesehen ist, die Bäume in diesem Alter unbedingt alle zu fällen. Die Umtriebszeit soll hier das Alter widerspiegeln, was im Durchschnitt das natürliche Absterbe- und Erntealter darstellt; auch wenn einzelne Bäume bei bestimmten Baumarten wesentlich älter werden (z. B. Stieleiche, Linde) oder im Augenblick bei einigen Baumarten dieses Alter nicht erreicht wird (z. B. Ulmen, Pappeln). Bei der Umsetzung der Zielvorgaben muss der forstliche Bewirtschafter viele Faktoren beachten. Die wichtigsten sind:
- der unterschiedliche Lichtbedarf der Auenbäume und das unterschiedliche Lichtdurchlassvermögen der Kronen der Altbäume. So ist es z.B. nicht möglich, Stieleichen unter den Kronen von Ahornen zu pflanzen.
- die unterschiedliche Höhenwachstums-Geschwindigkeit in der Jugend. Dadurch ist es z. B. möglich, Stieleichen und Linden auf entsprechend größeren Freiflächen in Einzelmischung anzupflanzen. Eine Mischung mit Bergahorn oder gar Feldulme ist auf Grund deren großer Höhenwachstums-Geschwindigkeit in der Jugend nicht möglich.
- das vorhandene Potential an fruchtifizierenden Samenbäumen und Naturverjüngung. Während z. B. das Anpflanzen von Bergahorn und zum Teil auch Esche in den meisten Fällen nicht notwendig ist, besteht die Möglichkeit der Naturverjüngung von Stieleichen unter den heutigen Umständen so gut wie überhaupt nicht, da meist nicht mehr ausreichend viele fruchtifizierende Saatbäume und demzufolge auch nicht ausreichend Naturverjüngung vorhanden ist.
Um den Mischungsgrad zu regulieren, erfolgt zuerst ein Holzeinschlag auf der gesamten Fläche. Dieser Holzeinschlag lässt sich in der Regel nicht in die klassischen Kategorien Altdurchforstung, Jungdurchforstung, Jungbestandspflege usw. oder Femelhieb einordnen, sondern ist oft auf engstem Raum eine Kombination dieser verschiedenen Pflegemaßnahmen und findet sowohl im Oberstand als auch im Unterstand statt. Dabei wird großflächig Phänotypenauslese und Standraumregulierung durch Reduzierung der Stammzahl betrieben. Wenn sich in den Beständen Stieleichen und andere Baumarten befinden, deren Anteil erhöht werden muß, sollten diese Bäume in der Regel gefördert und vorzugsweise als Zielbäume behandelt werden. Dadurch bietet sich die Möglichkeit, den Anteil dieser Baumarten - auch in den höheren Altersklassen - zu erweitern. Zur Schaffung von Verjüngungsflächen von Halblichtbaumarten, vor allem Stieleiche, werden Freiflächen - sogenannte Femellöcher - geschlagen. Diese müssen einen Mindestdurchmesser von 30 m bis 50 m haben, um später eine ausreichende Versorgung der Jungbäume mit Licht abzusichern. Ebenfalls im Zuge der Gesamtmaßnahme werden die ökologisch wertvollen Alteichen bei Notwendigkeit durch Freischlagen von der Konkurrenz im Kronenbereich befreit. Bei dem Anlegen von Femellöchern wird vorrangig in die Baumarten und Altersklassen eingegriffen, bei denen gegenüber den Zielvorstellungen ein Überhang besteht. Aus ökonomischen Gründen wird dabei natürlich vorzugsweise in die höheren Altersklassen eingegriffen, da zu erwarten ist, dass dabei die Reinerträge am höchsten sind. Außerdem werden vorzugsweise hartholzauenuntypische Baumarten eingeschlagen (z.B. Hybridpappeln, Populus x canadensis., Eschenahorn, Acer negundo, Roteiche, Quercus rubra, Rotbuche- Fagus sylvatica) und Einzelbäume, die negativ auf den Biotop Hartzholzaue wirken (z.B. Rotbuchen- Fagus sylvatica, die Alteichen „ausdunkeln“). Nach dem Rücken des eingeschlagenen Holzes und der teilweisen Beräumung der zukünftigen Pflanzplätze von Reisig erfolgt die Pflege bzw. Förderung der eventuell vorhandenen Naturverjüngung. Dabei kann bei Bedarf schon regulierend in die Baumartenzusammensetzung eingegriffen werden, indem z. B. übermäßige Verjüngung von Spitzahorn und schwarzem Holunder durch Abschneiden reduziert wird, um erwünschte Baumarten – z. B. Feldahorn (Acer campestre), Wildobst und Winterlinde (Tilia cordata) zu fördern. Im Verlauf dieser Arbeiten werden auch Pflanzplätze für andere Baumarten zum passiven Voranbau geschaffen. Naturverjüngungen anderer erwünschter Baumarten, z. B. Feldulme (Ulmus minor), Feldahorn (Acer campestre), Vogelkirsche (Prunus avium) bleiben unangetastet und werden auch, wenn möglich, durch Herabschneiden der Konkurrenz gefördert. Im Anschluss daran werden auf der Fläche der angelegten Femellöcher vorrangig Stieleichen (Quercus robur), gegebenenfalls auch Roterlen (Alnus glutinosa) gepflanzt.
Auf der Basis der hier formulierten langfristigen Ziele wurde die mittelfristige periodische Betriebsplanung für den Leipziger Stadtwald, die sogenannte Forsteinrichtung (PDF 1,5 MB) erarbeitet und vom Stadtrat am 14. September 2005 beschlossen. |
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