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Die Entwicklung der Waldbestände der Leipziger Flussauen von der Eiszeit bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts |
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Weichseleiszeit
Die letzte Kaltzeit, die Weichseleiszeit, führte nicht mehr zum Vereisen des Mitteldeutschen Raumes. In der damals im Raum Leipzig existierenden Kältesteppe wurden durch Winde aus westlicher bis nordöstlicher Richtung Sedimente abgelagert. Der so entstandene Löß ist heute ein sehr fruchtbarer Boden.
Nach dem Abschmelzen der Gletscher kam es in der Folgezeit im heutigen Bereich der Leipziger Flussauen ständig zur Ab- und Umlagerung von Kiesen und Sanden. Der so entstandene Schotterkörper, ein nährstoffarmer und zeitweise sicherlich sehr nasser Standort, wurde vor circa 11 000 bis 12 000 Jahren erstmals von taigaartigem Wald besiedelt, vor allem von Birken und Kiefern.
Eine erneute trockene Kältephase führte wieder zum Verschwinden der lichten Pionierwälder. Tundra wurde wieder vorherrschende Vegetationsform, bis die folgende langsame Erwärmung die Waldentwicklung vor circa 10 000 Jahren einleitete, die zu den heutigen Wäldern führte. |
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Erstbesiedlung durch Kiefern und Birken
Als Erstbesiedler traten in der Anfangszeit der Erwärmung vor allem kälteresistente Baumarten wie Kiefern, Birken, Weiden und Aspen auf. Als ähnliche Jahrestemperaturen wie heute und damit ein Klima erreicht wurde, das den heutigen Verhältnissen nahe kommt, waren die Voraussetzungen vorhanden, dass sich auf den nährstoffarmen Schotterkörpern der Flussauen allmählich Waldgesellschaften bildeten, die mit denen vergleichbar sind, die unter ähnlichen vergleichbaren heutigen Bedingungen entstehen würden.
Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass sich diese Waldgesellschaften erst im Laufe einer längeren Zeit "komplettieren" konnten, da ein großer Teil der Pflanzenarten im Verlauf der eiszeitlichen Entwaldung weit nach Südeuropa abgedrängt worden waren und diese Pflanzen auf Grund der abriegelnden Wirkung der Alpen erst sehr langsam wieder im Mitteldeutschen Raum einwandern konnten. So lässt sich anhand von Fossilienfunden die Wiederbesiedlung der Bereiche der Leipziger Flussauen mit Stieleichen erst für einen Zeitpunkt vor 8800 Jahren nachweisen.
Durch die Zunahme der Baumartenvielfalt und die daraus resultierende Konkurrenz verschiedener Baumarten mit differenziertem ökologischen Verhalten erfolgte eine Besiedlung der unterschiedlichen Standorte mit jeweils den Baumarten, die sich dort optimal entfalten konnten. |
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Entstehung weichholzauenartiger Bestände
Im unmittelbaren Bereich des vom starken Umlagerungsprozess geprägten Flussbettes entstanden weichholzauenartige Bestände, die überwiegend von Weidenarten und Pappeln geprägt wurden.
Auf den mineralischen Nassstandorten in höheren Lagen und Randlagen bildeten sich Waldgesellschaften, die den heutigen Birken-Stieleichenwäldern entsprachen. Dabei wurden die auf diesen Flächen stockenden Kiefern durch die einwandernden Stieleichen relativ schnell verdrängt.
In den flacheren, niederen Bereichen außerhalb des Flussbettes kam es durch die Akkumulation von organischem Material zur Herausbildung organischer Nassstandorte mit den Hauptbaumarten Kiefern und Birken. Durch die zunehmende Bildung stärkerer Schichten organischen Materials und die damit verbundene Nährstoffanreicherung dieser Standorte bildeten sich hier allmählich Erlenwälder.
Vor circa 7.300 Jahren begann in den Leipziger Flussauen die diskontinuierliche Ablagerung von Auenlehm, wodurch sich die Standortverhältnisse erheblich änderten. Es erfolgte eine Einebnung der Leipziger Flussauen und damit eine Anhebung des Oberflächenniveaus. |
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Herausbildung auenartiger Standorte
Die Flüsse flossen zunehmend in relativ tief im Auenlehm eingeschnittenen Betten. Zwar mäandrierten die Flüsse noch, wurden aber durch den Auenlehm bereits relativ stark "gebändigt" und traten zunehmend weniger, hauptsächlich nur noch während des Frühjahrshochwassers über die Ufer.
Allmählich bildeten sich die heutigen auenartigen Standorte heraus, welche die Grundlage für die Entstehung der Hartholzaue bildeten. Aber auch Baumarten der Weichholzaue verblieben vor allem in unmittelbarer Nachbarschaft der Flüsse. In der ersten Zeit der Auenlehmbildung konnten sich auf Grund der lange andauernden Überschwemmungen noch nicht alle Baumarten der Hartholzaue etablieren. Auf Grund ihrer hohen Hochwassertoleranz war aber die Stieleiche schon sehr zeitig flächendeckend vorhanden, während durch die zunehmende Konkurrenz die Kiefern sehr schnell aus den Auen verdrängt wurden. |
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Beginn der intensiveren menschlichen Nutzung
In die Zeit der Auenlehmbildung und allmählicher Entwicklung der Hartholzaue fällt auch der Beginn der intensiveren menschlichen Nutzung der Wälder in Leipziger Flussauen vor allem zur Brennholzgewinnung und als Viehweide auf weniger nassen Standorten.
Bis zum jüngeren Subatlantikum vor etwa 1200 Jahren, in der Zeit der slawischen Besiedlung, waren die Standorte und das Klima immer noch die wichtigsten Faktoren, welche die Baumarten-Zusammensetzung beeinflussten. Vorerst hatte sich großflächig eine Übergangswaldgesellschaft herausgebildet, die einen Übergang von der Weichholzaue zur Hartholzaue darstellte.
Diese bestand vorwiegend aus sehr hochwasserresistenten Baumarten beider Waldgesellschaften, Stieleichen, Weiden, Pappeln, Erlen, Ulmen. Diese Übergangswaldgesellschaft ist noch bis in das Mittelalter belegt. |
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Stärkere Nutzung des Waldes
Zur Zeit der slawischen Besiedlung erhöhte sich die Bevölkerungsdichte. Ein Großteil der Ortskerne der heutigen Dörfer, Städte und Stadtteile wurden angelegt. Durch die stärkere Besiedlung erhöhte sich auch die Nutzung des Waldes. Außerdem wurden jetzt größere Rodungen in den Randlagen der Flussauen durchgeführt. Am Beginn des 10. Jahrhunderts erfolgte die deutsche Kolonisation. Neue Siedler wurden ansässig, die Bevölkerungszahl wuchs und neue Dörfer wurden gegründet.
Das hatte auf den Wald in den Leipziger Flussauen erhebliche Auswirkungen. Die Wälder außerhalb der Überschwemmungsgebiete wurden größtenteils gerodet. Durch Flussregulierungs- und Wasserbaumaßnahmen wurden die Standortfaktoren partiell beeinflusst. Auch die Nutzung der Wälder wurde verstärkt. |
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Mittelwaldbetrieb
Um den Bedarf an verschiedenen Holzsortimenten zu decken, hatte sich vorwiegend die Bewirtschaftung im sogenannten Mittelwaldbetrieb herausgebildet. Das heißt, in den Wäldern wurde ein sehr lockerer, weitverstreuter Bestand an Großbäumen belassen, die sogenannten „Lassreitel“. Unter dem Schirm dieser Lassreitel bildete sich - hauptsächlich aus Stockausschlägen und Wurzelbrut - das Unterholz.
Dieses Unterholz wurde aller 15-20 Jahre zur Brennholzgewinnung geräumt. Die Lassreitel waren vor allem zur Gewinnung von Bauholz und zur Erzielung von Eichelmast vorgesehen. Die Eiche wurde im Oberstand gefördert. Es wurde für lichte Bestände gesorgt, die im Unterholz vor allem die Baumarten mit einem hohen Stockausschlag vorrangig gedeihen ließen.
Dieser Mittelwaldbetrieb wurde in den Leipziger Flussauen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts beibehalten. Im Leipziger Stadtwald wurde er erst im Jahre 1870 durch die erste Forsteinrichtung beendet. |
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Als eine Ursache für den geringen Anteil an Eschen wird vermutet, dass es diese Baumart bis in das 19. Jahrhundert im Rahmen der nacheiszeitlichen Wiederbesiedlung nicht "geschafft" hatte, sich wieder flächendeckend zu etablieren. Deutlich ist aber auch die durch Anpflanzung und Pflege bewusste und durch Schaffen von gut durchlichteten Beständen unbewusste Förderung der Halblichtbaumart Stieleiche, die deren sehr hohen Anteil zur Folge hatte.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich großflächig eine Hartholzaue entwickelt, die sowohl durch natürliche Faktoren, wie Klima, als auch durch Rodungen im Oberlauf der Flüsse indirekte und durch Forstwirtschaft direkte menschliche Einflüsse beeinflusst wurde. Im Ergebnis war ein sehr naturnaher, artenreicher und ökologisch wertvoller Biotop entstanden, der auch ästhetisch hohen Ansprüchen genügt. |
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