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Geschichte des Leipziger Waldeigentums

Bis zur Zeit der germanischen und später slawischen Besiedlung waren die Wälder im Bereich der Flussauen als Bestandteil der Allmende (Wasser, Wiesen, Wald) von allen freien Angehörigen der unmittelbar in der Umgebung siedelnden Dorfgemeinschaften nutzbar.

Nach der deutschen Kolonisation Anfang des 10. Jahrhunderts fielen die Wälder in Leipzigs Umgebung zunächst in die Hand Heinrichs I. und Otto I. und wurden damit Eigentum des Landesherrn. Im Jahre 974 verschenkte Kaiser Otto II. die Wälder an das Bistum Merseburg. Als im Jahre 981 Erzbischof Giselar von Merseburg das Bistum aufhob und sein Gebiet verteilte, gelangten die zukünftigen Stadtwälder zum großen Teil wahrscheinlich in den Besitz des Markgrafen von Meißen.

Später gelangten Teile der Wälder in das Eigentum von Rittern, anderen Privatleuten, Klöstern oder verblieben im Eigentum des Landesherrn. Als Markgraf Otto I. von Meißen den Leipzigern um 1165 das Stadtrecht verlieh, wurde diesen im Stadtbrief auch das Recht zur Nutzung seines Waldes zur Holz- und Grasnutzung, und auch zur Fischerei beurkundet.
Dieses Überlassen hatte aber eher Lehenscharackter, das bedeutet, dass noch kein Eigentumsrecht erworben wurde.

Der erste Erwerb von Waldeigentum im Jahr 1367

Die erste urkundlich erwähnte Erwerbung im Waldgebiet fand im Jahr 1367 mit dem Kauf der Burgaue von Ritter Hans Porzyk statt, circa 280 Hektar.

In den folgenden Jahrzehnten vergrößerte die Stadt Leipzig ihr Waldeigentum durch den Ankauf weiterer kleiner Waldstücken.
Im Jahre 1526 erfolgte eine größere Walderwerbung zusammen mit dem Kauf des Dorfes und Gutes Lindenau, das verschlossene Holz, circa 95 Hektar.

Durch die Säkularisation des Thomasklosters, circa 236 Hektar, und des Nonnenklosters, circa 117 Hektar, erweiterte sich das Leipziger Waldeigentum im Jahre 1543 erheblich.
Auch in der folgenden Zeit wurde das Waldeigentum kontinuierlich vergrößert.
Erwähnenswert ist die Erwerbung von Teilen der Parthenaue im Jahre 1575 durch den Kauf des Gutes Graßdorf, circa 48 Hektar.
Im Jahre 1663 erfolgte mit dem Kauf des Rosentales, circa 168 Hektar, wieder eine erhebliche Erweiterung der Stadtwaldfläche.

Nach weiteren kontinuierlichen kleineren Käufen erfolgten erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder größere Walderwerbungen mit dem Kauf des Rittergutes Kleinzschocher im Jahre 1912, circa 47 Hektar, und dem Kauf des Rittergutes Großzschocher im Jahre 1926, circa 75 Hektar.

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erfolgte auch die Aufforstung der heute im Eigentum der Kommunalen Wasserwerke befindlichen Wälder bei Naunhof auf landwirtschaftlichen Flächen, circa 70 Hektar. Im Jahre 1901 erfolgte mit dem Kauf des Gutes „Sorge“ der Erwerb des Stadtwaldes bei Adorf, circa 40 Hektar.
Im Jahre 1936 fand der letzte große Waldkauf der Stadt Leipzig vor dem zweiten Weltkrieg, mit dem Erwerb der südlichen Lauer, circa 245 Hektar, statt.

Im Jahre 1951 erfolgte die Enteignung aller Kommunen. Der Leipziger Stadtwald wurde „Volkseigentum“. Zur Bewirtschaftung der volkseigenen Wälder wurden diese verschiedenen „Rechtsträgern“ zugeordnet.
Der größte Teil des Leipziger Stadtwaldes kam unter die Rechtsträgerschaft der im Jahre 1952 gebildeten „Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebe“. Dabei kam die größte Fläche zum „Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Grimma“; die Wälder bei Adorf wurden dem „Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Oelsnitz“ zugeordnet. Mitte der sechziger Jahre kam der größte Teil des Staditzwaldes, weil er Bereitstellungsraum der NVA war, in die Rechtsträgerschaft des „Militärforstbetriebes Züllsdorf“.

Die stadtnahen Waldungen wie Rosental, Nonne und Küchenholz verblieben zu großen Teilen in der Rechtsträgerschaft der Stadt Leipzig und wurden vom VEB Garten- und Landschaftsgestaltung bewirtschaftet.

Die zum Braunkohleabbau vorgesehenen Waldflächen der Lauer wurden etwa ab Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts in die Rechtsträgerschaft des Braunkohlenkombinates Borna übergeben.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebe ab 01.01.1991 abgewickelt.
Das Volkseigentum wurde von der Treuhandgesellschaft und zu einigen Teilen von der Bundesrepublik Deutschland (Oberfinanzdirektion Chemnitz) verwaltet.

Waldeigentum seit 1991

Auf der Basis der von der Stadt Leipzig gestellten Restitutionsanträge erfolgte eine schrittweise Rückübertragung des städtischen Waldeigentums. Am 01.03.1991 begann die Abteilung Stadtforsten mit der Bewirtschaftung eines großen Teiles der ehemaligen Stadtwälder.

Zu einer ihrer wichtigsten Aufgaben gehört auch die Anlage von Neuaufforstungen. Dadurch wurde von 1991 bis 2002 die Waldfläche der Stadt um über 130 Hektar vergrößert. Im Jahre 1998 erfolgte mit dem Erwerb der nördlichen Lauer, circa 60 Hektar, die erste große käufliche Walderwerbung nach dem zweiten Weltkrieg. Im gleichen Jahr erfolgte die Rückübertragung der meisten ehemaligen Stadtwaldflächen, die durch den Braunkohleabbau devastiert und anschließend rekultiviert wurden.

Im Jahre 2002 beträgt die Stadtwaldfläche Leipzigs nach Restitution des Alteigentums, Neuaufforstungen und Kauf insgesamt circa 1734 Hektar.
Damit ist die Stadt Leipzig einer der größten kommunalen Waldbesitzer Sachsens.

 
 

deli.cio.us Mister Wong

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