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Tradition der nachhaltigen Bewirtschaftung des Leipziger Stadtwaldes

Auch wenn das Wort „nachhaltig“ erst in unserer Zeit in Bezug auf die Nutzung natürlicher Ressourcen gebraucht und teilweise als „Modewort“ überstrapaziert wird, spielte der Nachhaltigkeitsgedanke seit den ersten Leipziger Walderwerbungen im 14. Jahrhundert eine große Rolle.
Das zeigt sich unter anderem darin, dass Faktoren, welche die Nachhaltigkeit negativ beeinflussen, ausgeschaltet wurden.
So wurden zum Beispiel traditionelle Waldweide- und Grasnutzungsrechte Dritter, welche die Nachhaltigkeit der Waldbestände in Frage stellten, möglichst schnell nach dem Erwerb von Wäldern durch die Stadt abgeschafft.

Schon um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert lassen sich für die Stadtwaldungen das „Setzen wilder Bäume“ und die Anlage von Weidenhegern nachweisen.
1463 wurde eine Oberförsterei zur Bewirtschaftung des Leipziger Stadtwaldes gegründet.

Im Jahre 1563 wurde die erste Waldordnung erlassen. Diese enthält bemerkenswerte waldbauliche und nutzungstechnische Vorschriften.
Gleichzeitig wurden die Waldungen vermessen und in 20 Schläge eingeteilt.
Im Jahre 1617 verabschiedete der Rat seine zweite Waldordnung, die Anweisungen über ihre geregelte Flächennutzung, Behandlung und Verjüngung der Mittelwaldschläge, Holzaufbereitung und Holzverwendung zum Inhalt hattte. Der Dreißigjährige Krieg verhinderte jedoch ihre erfolgreiche Anwendung.

Im Jahre 1713 wurden die dritte städtische Waldordnung und eine Neuvermessung angeordnet, um dem unbefriedigenden Zustand der Stadtwälder entgegenzuwirken. Die Neuvermessung und Schlageinteilung gaben erneut die Grundlage für eine ordentliche Wirtschaftsführung mit geregelter Flächenabnutzung. Sie enthält aber auch als wichtigsten Punkt die Anweisung zur künstlichen Verjüngung mittels Saat.
Ferner werden für versumpfte Bereiche Entwässerungsmaßnahmen angeordnet. Leider kam auch diese Waldordnung durch Kriegsereignisse nicht zur rechten Wirkung.

Da sich das städtische Forstwesen im ausgehenden 18. Jahrhundert trotz Reformversuchen nicht in einem befriedigenden Zustand befand, beschloss der Rat im Jahre 1804 „eine neue, den gegenwärtigen Zeitumständen angemessene Forst- und Jagdeinrichtung “.
Im Jahre 1832 wurde vom damaligen Oberförster Koch der erste Betriebsplan auf der Grundlage der Mittelwaldwirtschaft mit fünfzehnjährigem Umtrieb erarbeitet.

1870 wurde durch den königlichen sächsischen Oberförster R. Roch die erste Forsteinrichtung des Leipziger Stadtwaldes durchgeführt. Diese sah die Beendigung der Mittelwaldbewirtschaftung und den Beginn der Bewirtschaftung im schlagweisen Hochwald vor. Durch heftige Bevölkerungskritik wurde diese aber im Jahre 1877 durch die Stadtverordnetenversammlung zu Fall gebracht.

Im Jahre 1885 trat ein neuer Wirtschaftsplan, aufgestellt von der königlichen sächsischen Forsteinrichtungsanstalt, mit dem Betriebsziel „Mittelwaldwirtschaft mit Gruppen- und Lochhieb“, in Kraft. Es wurde darin auch eine „hochwaldartige Mittelwaldwirtschaft“ empfohlen.

Um 1900 gelang es den Stadtverordneten leider erneut, die laufende Forsteinrichtung außer Kraft zu setzen. Durch den Übergang zur „parkartigen Wirtschaft“ stieg der Derbholzvorrat erheblich.
Durch Kriegsschäden, Reparationsleistungen und Hiebe zur Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz sank der Vorrat der Stadtwälder im und vor allen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg erheblich. Es erfolgte aber relativ rasch eine erneute Bepflanzung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte in den Jahren 1956 bis 1958 die erste Forsteinrichtung eines großen Teiles der Stadtwälder im Rahmen der Forsteinrichtung des „Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes Grimma“. Diese war mit sehr detaillierten und präzisen Standorterkundungen, ausgeführt von H. Thomasius, verbunden.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde auf der Basis des Taxationsteiles der letzten Forsteinrichtung aus DDR-Zeiten (1988) durch die Mitarbeiter der Abteilung Stadtforsten (T. Knorr, A. Sickert) die sogenannte „Ökologische Waldentwicklungsplanung für den Kommunalwald Leipzig von 1994 bis 2003" unter Anleitung und in Zusammenarbeit mit der Forstdirektion erarbeitet. Dabei wurden die Planziele grundsätzlich den neuen Erfordernissen, vor allem im Bezug auf Ökologie, Naturschutz und Erholung, unter Beachtung ökonomischer Kriterien, angepasst. Diese erste neue periodische Betriebsplanung nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde mit dem Stadtratsbeschluss 931/97 in Kraft gesetzt.

Im Jahr 2002 begann die Sächsische Landesanstalt für Forsten mit der ersten kompletten Forsteinrichtung, verbunden mit der Vergabe neuer forstlicher Adressen, mit Vermessung und Taxation und einer Planung auf der Grundlage der „Konzeption zur forstlichen Pflege des Leipziger Auenwaldes“. Die Ergebnisse wurden im Jahre 2003 abgestimmt und vorgelegt. Die redaktionelle Endbearbeitung wurde 2004 abgeschlossen.

 
 

deli.cio.us Mister Wong

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