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Entwicklung der Waldbestände bis zur Gegenwart und absehbare Entwicklungstendenzen |
Die nacheiszeitliche Entwicklung der Waldbestände in den Leipziger Flussauen war von Beginn der Wiederbewaldungen durch eine ständige und langsame Sukzession geprägt, in deren Verlauf kaum oder nur zeitweise stabile Endzustände bei der Herausbildung verschiedener Waldgesellschaften erreicht werden. Die Hauptursachen für diese allmähliche Sukzession liegen zum einen in den sich ständig, aber ebenfalls langsam und allmählich ändernden Standortbedingungen und zum anderen in der zunehmenden Nutzung und Beeinflussung der Wälder durch den Menschen. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich großflächig eine Hartholzaue entwickelt, die sowohl durch natürliche Faktoren, als auch durch indirekte und direkte menschliche Einflüsse beeinflusst wurde. Im Ergebnis war ein sehr naturnaher, artenreicher und ökologisch wertvoller Biotop entstanden, der auch ästhetisch hohen Ansprüchen genügt.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte in relativ kurzer Zeit eine erhebliche Änderung in der Baumartenzusammensetzung und Bestandesstruktur der Wälder der Leipziger Flussauen. Weiterhin entstand bei den einzelnen Baumarten eine Disproportion in der Altersklassenverteilung.
Es wurden Untersuchungen zur Verteilung der Stärkeklassen der einzelnen Baumarten auf vier Probeflächen in Beständen des Leipziger Auwaldes durchgeführt, die als “ungleichaltrig“ taxiert und als “Hartholzaue” kartiert sind, also in Waldteilen, die noch als ökologisch hochwertig angesehen werden. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass keine Proportionalität der Durchmesserverteilung innerhalb einer Baumart besteht, wie sie bei einem normalen Altersklassenaufbau auftreten würde.
Die in den letzten 130 Jahren erfolgten Änderungen in Baumartenzusammensetzung, Altersklassenstruktur und Waldbild lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Der Anteil der ökologisch wichtigsten Baumart Stieleiche sank erheblich. Untersucht man die Altersklassenstruktur dieser Baumart, ist abzusehen, dass sich diese Tendenz fortsetzen würde, wenn keine Maßnahmen zur nachhaltigen Sicherung oder Erhöhung ihres Anteils getroffen werden. Das Aussterben dieser Baumart wäre eine mögliche Folge.
- Der Anteil der Ulmen ist nur noch auf die Strauchschicht beschränkt; in der Baumschicht ist sie so gut wie verschwunden.
- Der Anteil von Esche und Ahorn ist erheblich gestiegen. Werden die Altersklassenstruktur und die Naturverjüngungssituation untersucht, ist ersichtlich, dass die Tendenz zur (zumindest vorübergehenden) absoluten Dominanz dieser Baumarten besteht. Ohne menschliche Eingriffe vollzieht sich im Augenblick die Sukzession in Richtung eines Ahorn-Eschen-Waldes.
- Auf künstlichem Wege wurde ein erheblicher Anteil nicht standortheimischer Baumarten, vor allem Hybridpappeln (Populus canadensis) eingebracht.
- Es erfolgte eine zunehmende Uniformierung der einst dem Standortmosaik angepassten Bestände in der Artenzusammensetzung. Wichtige Differentialarten entfielen. Durch teilweise Kahlschlagswirtschaft und infolge der Sukzession entstanden schon großflächig Bestände mit nur wenigen hartholzauentypischen Baumarten, die oft gleichaltrig sind (Bergahorn, Esche). Der Anteil der Flächen mit einer hohen Zahl verschiedener hartholzauentypischer Baumarten bei ungleichem Alter ging zurück.
- Die Bestände wurden strukturärmer mit wenigen Randlinien und insgesamt im Inneren dunkler.
- Die wichtigsten Baumarten weisen keine gleichmäßige Altersklassenverteilung auf. Bei den Stieleichen dominieren die höheren, bei Spitz- und Bergahorn die niedrigen Altersklassen.
Würde sich die Tendenz zur Verringerung so wie bisher fortsetzen, käme es zu einer erheblichen Verringerung der Baumartenvielfalt und damit der Vielfalt von Pflanzen- und Tierarten im Auenwald überhaupt. Vor allem Arten, die fast nur noch im Bereich des Leipziger Auenwaldes vorkommen, würden damit aussterben.
Unterstrichen werden diese Feststellungen durch die im Jahre 1995 von der Sächsischen Landesanstalt für Forsten durchgeführte Waldbiotopkartierung im Sächsischen Forstamt Leipzig und im Stadtforstamt Leipzig. Von den 1200 Hektar untersuchten Stadtwaldes wurden 38% der Gesamtfläche als Waldbiotop „Hartholzaue“ eingestuft (WALDBIOTOPKARTIERUNG 1998). Bedenkt man, dass die Hartholzaue auf etwa 80 % der Stadtwaldfläche der potentielle natürliche Waldbiotop wäre, stimmt diese Zahl nachdenklich. Denn dies bedeutet, dass im Augenblick nur noch knapp die Hälfte der möglichen Fläche für die Arten der Hartholzaue in vollem Umfang zur Verfügung steht.
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Zusammenfassung und Schlussfolgerungen aus der Geschichte der Waldbestände
Die Wälder der Leipziger Flussauen haben seit Beginn der Bewaldung vor circa 10.000 Jahren keinen Schlusswaldzustand, wie er für die meisten Urwälder typisch ist, erreicht. Die unmittelbare nacheiszeitliche Entwicklung bis zum Beginn der Ablagerung von Auenlehm verlief ohne anthropogenen Einfluss als rein natürliche Sukzession. Im Rahmen der nacheiszeitlichen Wiederbesiedlung bildeten sich auf den damaligen Standorten Waldökosysteme, die den heutigen natürlichen Waldgesellschaften auf vergleichbaren Standorten unter vergleichbaren Klimaverhältnissen ähnelten. Durch die Änderung der Standortformengruppen, Mineralische Nassstandorte zu organischen Nassstandorten, danach Entstehen von Auenstandorten, wurde auch bis zum Auftreten verstärkter anthropogener Einflüsse maximal nur kurzzeitig ein gewisser Endzustand erreicht, und die Baumartenzusammensetzung änderte sich in relativ kurzer Zeit oft erheblich.
Mit Beginn der Ablagerung von Auenlehm verstärkten sich gleichzeitig auch die anthropogenen Einflüsse immer mehr. Von nun an waren es nicht mehr nur natürliche Standort- und Klimafaktoren, sondern auch unmittelbare (z.B. Holznutzung, Viehweide) und mittelbare (z.B. Flussregulierung) menschliche Einflüsse, welche die Entwicklung beeinflussten.
Durch die sehr langsame aber beständige Ablagerung von Auenlehm und den damit verbundenen, nur noch episodischen Überflutungen und zunehmenden zeitweisen Trockenlegungen, kombiniert mit der Bildung nährstoffreicher Standortformengruppen, erfolgte die natürliche Sukzession von der Weichholzaue zur Hartholzaue.
Durch die menschliche Nutzung wurde aber von Beginn der Entwicklung zur Hartholzaue an die Baumartenzusammensetzung und Bestandesstruktur beeinflusst. Für lange Zeit erfolgte eine allmähliche Sukzession, in deren Verlauf sich Waldbestände entwickelten, die zwar die Baumarten aufwiesen, die in der natürlichen Waldgesellschaft (ohne menschlichen Einfluss) enthalten sind, durch den anthropogenen Einfluss aber einen anderen Mischungsgrad und andere Bestandesstrukturen aufweisen. Das bedeutet, dass durch die Kombination von natürlicher Sukzession (bedingt durch sich allmählich verändernde Standortverhältnisse) und die anthropogene Beeinflussung (vor allem Nutzung) genau die sehr arten- und strukturreichen Waldbestände entstanden, wie sie bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in den Leipziger Flussauen vorherrschten.
Obwohl die Bestände gewissermaßen auch ein Produkt des menschlichen Einflusses waren und sind, gelten sie als ökologisch außerordentlich wertvoll und artenreich. Dieser Artenreichtum liegt darin begründet, dass genau durch die beschriebene Kombination aus natürlicher Sukzession und menschlichem Einfluss eine Entmischung in den Leipziger Auenwäldern nicht erfolgte, wie sie in Wäldern stattgefunden hat, die sich in einem mehr oder weniger stabilen Endzustand befinden.
Durch extreme anthropogene Eingriffe (z.B. Flussregulierung, Stickstoffeintrag, Kahlschlagswirtschaft) und durch andere Bewirtschaftungsformen (Aufgabe Mittelwaldbetrieb, „sich Selbstüberlassen von Beständen“) begann eine Entwicklung, die den Verlust des Artenreichtums - und aus heutiger, menschlicher Sicht des ökologischen Wertes - bewirkte und weiter bewirken würde, wenn dem nicht entgegengewirkt wird. Auch die starke Zunahme des Rehwildbestandes unterstützt diese Entwicklung.
Durch die Überalterung der Stieleichenbestände ist jetzt schon kaum noch Potential für die Naturverjüngung dieser Baumart vorhanden. Es ist deshalb eine dringende Aufgabe, in naher und ferner Zukunft durch geeignete Eingriffe der Verarmung der Biodiversität entgegenzuwirken, die erhaltene Vielfalt zu sichern oder zu fördern.
Der Forstwirtschaft, - eine der direktesten Möglichkeiten zur Steuerung der Baumartenzusammensetzung und der Struktur der Leipziger Auenwälder - kommt dabei eine Schlüsselposition zu. Es muss als eine ihrer Hauptaufgaben angesehen werden, die Baumartenzusammensetzung mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln ökonomisch sinnvoll und unter Beachtung und Nutzung der natürlichen Voraussetzungen so zu beeinflussen, dass die Biodiversität, der hohe ökologische und ökonomische Wert und die landschaftliche Schönheit der Waldbestände der Leipziger Flussauen erhalten bleiben. |
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