Investitur der neuen Rektorin und der neuen Prorektoren |
(Rede von Oberbürgermeister Burkhard Jung vom 31.5.2011)
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lieber Herr Tillich, sehr geehrter Herr Prof. Rietschel, lieber Herr Prof. Schlegel, lieber Herr Dr. Nolden, hohe Festversammlung, meine Damen und Herren, vor allem aber, sehr geehrte Frau Prof. Schücking und sehr geehrte Herren Prorektoren Prof. Altmayer, Prof. Lenk und Prof. Schwarz!
Ich freue mich sehr, Ihnen heute zur offiziellen Einführung in Ihre neuen Ämter die herzlichen Glückwünsche der Stadt Leipzig überbringen zu dürfen. Ich verbinde dies mit der Erneuerung des so alten Bundes zwischen der Stadt und ihrer Universität: Leipzig braucht seine Universität, wie die Universität unsere Stadt braucht!
Ich sage es immer wieder, und je öfter wir es alle aussprechen, desto mehr wird es verstanden und zum Allgemeingut: Leipzig ist eine Stadt der Wissenschaften. Fast 50.000 Menschen studieren und forschen, lehren und arbeiten in den Leipziger Wissenschaftseinrichtungen.
Leipzig wäre ohne seine Wissenschaften ärmer: ärmer an Steueraufkommen und Wirtschaftskraft - natürlich! -, aber ebenso ärmer an Geist und Kultur, an Tradition und Zukunft. Darum muss der Stadt die Entwicklung ihrer Wissenschaften ein zentrales Anliegen sein. Denn nur im Miteinander tut sich das Gemeinsame auf. Und dies trägt den Namen: Leipzig voran zu bringen!
Liebe Frau Prof. Schücking, ich war daher sehr froh, dass wir schon unmittelbar nach Ihrer Wahl zur ersten Rektorin in der über 600jährigen Geschichte der Universität Leipzig das Gespräch aufgenommen haben. Und ich war überaus glücklich, dass Sie den Bindungen zu unserer Stadt an eine vordere Stelle Ihrer Agenda gesetzt haben.
Meine Damen und Herren! Die Universität ist mitten in der Stadt. Dies sagt der heutige Ort der Investitur, dies sagt der alte und doch so neue Campus der Universität. Die Universität ist im Herzen unserer Innenstadt. Ich betrachte dies als ein politisches Zeichen und einen Auftrag. Dass eine Universität einen fast neuen innerstädtischen Campus bekommt – hierfür noch einmal einen herzlichen Dank an den Freistaat, sehr geehrter Herr Ministerpräsident -, ist im Deutschland der Gegenwart nicht nur einmalig, sondern eine großartige Herausforderung an die Universität, für unsere Stadt da zu sein.
Von daher darf ich die Worte an die Universität wiederholen, die ich zur Verabschiedung von Altmagnifizenz Häuser geäußert habe: Auf uns können Sie zählen - um nicht zu sagen, mit uns müssen Sie rechnen! Ich freue ich mich auf eine ebenso intensive wie angenehme Zusammenarbeit zum Besten von Universität und Stadt Leipzig.
Und gestatten sie mir im Gegenzug: Ich wünsche mir von allen Universitätsangehörigen eine intensive – durchaus auch kritische – Identifikation mit unserer Stadt, mit ihren Potentialen und Problemen. Sie, liebe Frau Prof. Schücking, sprachen in dem ersten Interview nach Ihrer Wahl von der einnehmenden Aura unserer Stadt, aber auch von den „streitbaren Situationen“, in die man geraten kann. Aber natürlich: So muss es sein. Eine streitbare Wissenschaft ist ein Lebenselixier der kritischen Demokratie. Wo mit dem Kopf nur genickt, aber nicht nachgedacht wird, ist es nicht nur um die Wissenschaften schlecht bestellt.
Eine „gesunde Universität“ - so der Titel Ihrer Rede zum Dies academicus, sehr geehrte Frau Rektorin - ist nicht nur eine Universität mit hervorragenden Wissenschaftlern, innovativen Forschern und wissbegierigen Studenten. Es ist auch eine Universität, die sich einmischt, die Stellung bezieht und die sich der Bürgergesellschaft verpflichtet weiß.
Meine Damen und Herren, sehr geehrtes Rektoratskollegium, vor Ihnen liegen nun fünf Jahre, in denen sie die Erscheinung der Universität wesentlich mitgestalten werden. Wir werden - hier ermutigen mich unsere bisherigen Gespräche - konkrete Vorhaben definieren, die wir gemeinsam angehen, im übrigen nicht exklusiv mit der Universität, sondern mit allen Partnern der großen Leipziger Wissenschaftsfamilie. Die Themen Marketing, Internationalisierung - natürlich brauchen wir eine „Weltoffene Universität Leipzig“, das Thema, über das Sie im Anschluss diskutieren wollen -, Absprache der Forschungs- und Wirtschaftspotentiale, Existenzgründung, Studieren mit Kind, aber auch das gemeinsame Werben für die Wissenschaftsstadt Leipzig liegen auf der Hand. Von unserer Seite wollen wir für diese Zusammenarbeit einstehen.
Einiges ist ja auch bereits auf den Weg gebracht. Ich denke z.B. an das Projekt „Stadtgeschichte“, das wir gemeinsam mit Professoren des Historischen Seminars angehen. Im Jahr 2015, zum 1000. Jubiläum unserer Stadt, wollen wir eine große vierbändige Geschichte unserer Stadt präsentieren, die anspruchsvoll, kritisch und populär zugleich sein soll. Sehr erfolgreich haben wir mit allen großen Wissenschaftsakteuren im Rahmen der Weiterentwicklung unseres „Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes“ kooperiert, der wichtigsten programmatischen Grundlage unserer Stadtpolitik. Hier haben wir aus kommunaler Sicht ein wichtiges Fundament gelegt, die politischen, räumlichen und organisatorischen Voraussetzungen für die Entwicklung unserer Wissenschaften zu garantieren.
Und erst jüngst, am 15. April haben wir, gemeinsam mit der Universität und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, zum fünften Mal den Leipziger Wissenschaftspreis an einen renommierten Leipziger Physiker, Prof. Grundmann, verliehen, ein Zeichen dafür, dass Leipzig auch in diesem Feld mehr von seinen Stärken reden sollte.
Meine Damen und Herren, eine letzte Bemerkung: Ist es nur ein Zufall oder spricht die Tatsache von mehr? In den vergangenen Monaten hat es erhebliche Veränderungen auf der Führungsebene zahlreicher Wissenschaftseinrichtungen gegeben. In allen Gesprächen, die ich bisher mit den neuen und alten Verantwortungsträgern geführt habe, war der deutliche Wille zu erkennen, seinen Teil für die Entwicklung des Wissenschaftsstandortes und damit für die Entwicklung unserer Stadt beizutragen. Ich bin sehr froh über diese Gemeinsamkeit. Darauf lässt sich aufbauen.
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrte Frau Ministerin, bei all dem benötigen wir die Unterstützung des Freistaats. All dies muss auf der Basis eines wirklichen Vertrauens zueinander geschehen. Daher bliebe der letzte Wunsch, dass die Stadt Leipzig angemessen in den Gremien vertreten ist, in denen über die zukünftige Entwicklung und Gestalt der Universität nachgedacht und entschieden wird. Denn dies ist nicht nur eine innerwissenschaftliche Angelegenheit. Es betrifft die Entwicklung unserer Stadt im Ganzen.
Liebe Frau Schücking, liebe Herren Prorektoren, auf gute Zusammenarbeit!
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