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Baubürgermeister Martin zur Nedden
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LVZ-Gespräch mit Leipzigs Baubürgermeister Martin zur Nedden (SPD) über die Ausstellung Neu Bau Land
Frage: Am Mittwoch öffnet die Schau Neu Bau Land in der Blechbüchse. Weshalb wird sie ausgerechnet in Leipzig gezeigt?
Martin zur Nedden: Schon in der Phase der Ausstellungskonzeption durch das Architekturmuseum Frankfurt am Main gab es Kontakte zum Leipziger Bildermuseum und erste Überlegungen, die Schau auch hier vorzustellen. Das wäre aber wahrscheinlich erst 2008 und ohne Modelle möglich gewesen. Ich war dann zur Ausstellungseröffnung im Juni in Frankfurt. Schließlich stammt eine erhebliche Zahl der vorgestellten Objekte – 17 von 145 – aus Leipzig. In den Gesprächen mit Museumsdirektor Peter Cachola Schmal und anderen kam schnell der Wunsch auf, die Schau möglichst früh in Leipzig zu zeigen. Ganz einfach, weil sie jetzt aktuell ist. Dank mehrerer Unterstützer, darunter die LVZ, sind wir nun die erste Stadt in den neuen Ländern, die diesen umfassenden Überblick zur baulichen Entwicklung Ostdeutschlands nach der Wende ihren Einwohnern bieten kann.
Frage: Was versprechen Sie sich davon?
Martin zur Nedden: Zweierlei. Zum einen wird bei den großflächigen Bildern, Filmen und Modellen recht deutlich, dass in den letzten 17 Jahren im Osten bemerkenswerte Architektur entstanden ist. Vom Hörsaalbau der Hochschule Zittau bis zum Technologiezentrum im Wismarer Holzhafen – in dieser Überschau gibt es das sonst nicht. Dabei werden die Qualitäten keineswegs nur an Großprojekten wie dem Leipziger Bildermuseum, der Messe oder dem Zentralgebäude des BMW-Werks deutlich, die mit Modellen vertreten sind. Auch etliche kleine Häuser, wie die Stadtvillen in Leinefelde, können als Arbeit überzeugen.
Frage: Und andererseits?
Martin zur Nedden: Natürlich ist auch manches misslungen oder mit Problemen behaftet. Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich dem Stadtumbau infolge von Einwohnerverlusten. Auch da finde ich den Vergleich zwischen Leipzig, Halle, Cottbus und Hoyerswerda spannend. Es ist ein Verdienst der Kuratoren, den Bürgern und Fachleuten in den alten Ländern dieses Thema näher zu bringen.
Frage: Im thüringischen Leinefelde wurden große DDR-Neubaublöcke zersägt und in viele kleine Stadtvillen verwandelt. Warum gelang so was nicht in Grünau?
Martin zur Nedden: In gewisser Weise können wir uns das ja auch hier vorstellen. In Grünau gab es bereits ähnliche Projekte, die jedoch an den Förderbedingungen in Sachsen scheiterten. Bund und Land überarbeiten jetzt gerade die Förderrichtlinien. Wenn dadurch Projekte wie in Thüringen auch in Sachsen möglich werden, unterstützt die Stadt das gern. Nur ein einziges originär ostdeutsches Architekturbüro hat es unter die 145 ausgewählten, besonders gelungenen Arbeiten geschafft: Das Leipziger Büro Ilg Friebe Nauber mit dem Maria-Montessori-Schulzentrum in Grünau.
Frage: Zeugt das vom „Einbruch der globalisierten Architektur in eine der kulturell und architektonisch reichsten Regionen Europas“, wie der Kieler Professor Dieter-J. Mehlhorn kritisierte?
Martin zur Nedden: Ich fände es schwierig, bei Architekten darauf zu achten, wo kommt der her. Wichtig ist, dass Qualität entsteht. In der Ausstellung sind mehrere Leipziger Büros vertreten, die nach der Wende hierher gezogen sind, beispielsweise Schulz+Schulz und ihr Wolkenlabor. Andere wechselten von den neuen Ländern nach Berlin oder in die alten Bundesländer.
Frage: Dennoch reden gerade alteingesessene Leipziger abfällig über das Bildermuseum. Auch bei den neuen Plänen für den Brühl gab es Stimmen, die einen Verlust von Identität befürchteten.
Martin zur Nedden: Ich glaube, das ist keine Frage von West- oder Ostarchitektur. Diese Debatte kreist eigentlich um die Frage: Moderne oder nicht? Professor Thomas Topfstedt hatte sich schon zu DDR-Zeiten kritisch mit der Brühlbebauung auseinander gesetzt. Auch in dem sehr sehenswerten Defa-Film „Die Architekten“ spielt unter anderem der Wille zur Aufnahme internationaler Tendenzen eine Rolle. Im Übrigen ist meines Erachtens manche Großsiedlung im Osten vom städtebaulichen Entwurf her besser gelungen als im Westen – wenn nicht so stark verdichtet wurde.
Frage: In Frankfurt spazierte das Publikum über einen Teppich aus Schwarz-Weiß-Fotos: Ein Babel von Nachwende-Bauten, bei denen sich das Wort Baukultur verbietet. Zu den Keksrollen-Bürohäusern, 0815-Eigenheimen und Billig-Einkaufsmärkten gehörten ebenfalls Negativ-Beispiele aus Leipzig. Werden die auch zu sehen sein?
Martin zur Nedden: Der Fototeppich hat die Zeit in Frankfurt nicht ganz beschädigungsfrei überstanden. Wir wollen aber versuchen, größere zusammenhängende Ausschnitte, die noch gut erhalten sind, in der Blechbüchse zu zeigen. Das ist ein Hintergrund, vor dem die Spitzenleistungen umso mehr leuchten.
Frage: Mit 17 Spitzenleistungen ist Leipzig besonders gut vertreten. Zu Recht?
Martin zur Nedden: Ich meine ja. Und darf das sagen, weil ich daran nicht mitgewirkt habe. Leipzig war seit Anfang der Neunzigerjahre in den Fachdebatten immer sehr stark vertreten. Hier wurde frühzeitig Wert auf Qualität gelegt. Sicher erleichterten es der Investorenansturm, auch die Baugeschichte dieser Stadt, hohe Kriterien anzulegen. Doch gerade die Ausstellung Neu Bau Land beweist, dass qualitätvolle Architektur keine schöngeistige Forderung ist, sondern Bedingung für Nachhaltigkeit. Nur solche Objekte lassen sich langfristig gut vermieten.
Interview: Jens Rometsch
(Artikel entnommen aus der Leipziger Volkszeitung vom 19. November 2007. Wir danken der Leipziger Volkszeitung für die freundliche Genehmigung, den Artikel ins Internet stellen zu dürfen.) |
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