Das Verständnis der heutigen städtebaulichen Strukturen Leipzigs setzt die Kenntnis der historischen Entwicklung der Stadt voraus. Daher wurden in das Planwerk auf der Grundlage der Stadtkarte fünf Phasen der Stadtentwicklung aufgenommen:
- 1860 (ca. 75.000 Einwohner):
Man erkennt die Innenstadt mit den ersten „Vorstädten“., wobei das Siedlungsbild dieser präindustriellen Phase noch durch die in landwirtschaftlich genutzte Räume eingebettete Dorfkerne geprägt ist.
- 1890 (ca. 295.000 Einwohner):
Das in den 30 Jahren gewaltige Bevölkerungswachstum spiegelt sich in der dynamischen Entwicklung Leipzigs wider. Die gründerzeitlichen Wohnquartiere sind in großen Teilen bereits realisiert, ursprüngliche Dörfer sind großstädtisch überformt. Plagwitz und Lindenau avancieren zu den industriellen Kernen der Leipziger Stadtentwicklung.
- 1940 (ca. 700.000 Einwohner)
Die Stadt wuchs kontinuierlich. 1933 verfügte sie mit ca. 713.500 Einwohnern über den höchsten Bevölkerungsstand. Neben großflächigen Siedlungserweiterungen wird das Stadtbild durch eindrückliche großstädtisch anmutende Einzelbauwerke, die dem neuen Selbstverständnis Leipzigs entsprechen geprägt. Hingewiesen sei in diesem Kontext auf den Hauptbahnhof, das Neue Rathaus, das ehemalige Reichsgericht, das Völkerschlachtdenkmal und das Gelände der Technischen Messe in Verbindung mit dem Umbau der innerstädtsichen Messehäuser. In der Zwischenkriegszeit entstehen einige bemerkenswerte Wohnanlagen des Neuen Bauens.
- 1950 (ca. 617.500 Einwohner):
Die Kriegszerstörungen fielen im Vergleich zu den meisten Großstädten Deutschlands geringer aus. Die räumliche Grundstruktur der Stadt blieb auch im Zentrum erhalten. Um dies zu verdeutlichen werden in der Karte „1950“ die Blöcke, deren Gebäudesubstanz zu mehr als 50% zerstört wurde, nicht dargestellt.
- 1989 (ca. 530.000 Einwohner):
In den 1950er und 60er Jahren entstanden eine Reihe bedeutender Einzelbauwerke und Ensembles, wie beispielsweise die Oper, das Gewandhaus, die Universität, die Hauptpost, die Neubebauung am Rossmarkt sowie die Anlage des Sachsenplatzes, auf dem sich heute der Neubau des Museums der bildenden Künste befindet. Die spätere Bautätigkeit verlagerte sich an den Rand der Inneren Stadt und war geprägt durch den Bau der Großsiedlungen wie Grünau (ab 1975) und Paunsdorf (ab 1980).
Die Überlagerung der „historischen Schichten“ vermittelt einen ergänzenden Überblick über die zeitliche Zuordnung der Entwicklung der einzelnen Stadtbereiche, ergänzt um die nach der Wende (Stand 2004) hinzu gekommenen Flächen. |