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Aktueller Konjunkturbericht der IHKs im Freistaat

(01.03.2010)
 

Erholung der sächsischen Wirtschaft hat begonnen

An der traditionellen Konjunkturumfrage der Sächsischen Industrie- und Handelskammern zur Jahreswende beteiligten sich 2009/2010 knapp 2.000 Unternehmen der Wirtschaftsbereiche Industrie, Baugewerbe, Handel, Dienstleistungen und Verkehr in denen rund 85.000 Arbeitskräfte beschäftigt sind.

Konjunkturtief schneller überwunden - Wirtschaft auf Erholungskurs
Das erfreuliche Fazit der Analyse ist, dass die sächsische Wirtschaft offensichtlich die Talsohle ihrer durch die Finanz- und Wirtschaftskrise verursachten schwierigen Konjunkturlage durchschritten hat und sich branchenmäßig differenziert, aber erkennbar auf Erholungskurs befindet. Das untermauern für das 2. Halbjahr 2009 sowohl die spürbar verbesserten Beurteilungen der Geschäftslage, der Zuwachs bei den Auftragseingängen vorwiegend aus dem Ausland sowie die großen Anstrengungen sächsischer Unternehmen zur weiteren Fachkräftebindung. Damit löst sich Sachsen im Vergleich zu Ostdeutschland und dem bundesdeutschen Durchschnitt schneller aus dem Konjunkturtief des 1.Halbjahres 2009.

Investitionsbereitschaft weiter erfreulich
Auch die weiterhin hohe Investitionsbereitschaft der Firmen und ihre beachtlichen Bemühungen im Forschungs- und Entwicklungsbereich (die einschlägigen Förderprogramme des Bundes und des Landes wurden 2009 von sächsischen Firmen stärker genutzt als 2008) sowie die allgemeine Konjunkturentwicklung zeugen von gestiegener Zuversicht der sächsischen Wirtschaft zu Beginn des Jahres 2010.

Kein Anlass zur Euphorie
Noch ist allerdings kein Anlass zur Euphorie bzw. zum Nachlassen bei den Konsolidierungsbemühungen in den Unternehmen sowie bei den vielfältigen konjunkturstützenden Maßnahmen von Land und Bund. Dazu sind die Auslastung der Kapazitäten, die Auftragsentwicklung wichtiger Branchen der sächsischen Industrie sowie die Personalsituation noch zu angespannt, instabil und zu weit von den Bestwerten der vergangenen Jahre entfernt.

Risikofaktoren bestimmen zurückhaltende Prognosen
Die Unternehmen sind deshalb auch äußerst zurückhaltend bei ihren Prognosen für die nächsten 12 Monate, für die sie eine Reihe Risikofaktoren sehen. Das betrifft vor allem die Entwicklung der Inlandsnachfrage, der Rohstoff- und Energiepreise sowie der Arbeitskosten. Diese 3 Risiken liegen mit deutlichem Abstand zu anderen an der Spitze der Beurteilungen durch die befragten Unternehmen. Erfreulich ist, dass nicht die Finanzierung das dominierende Problem in den sächsischen Unternehmen ist, obwohl branchendifferenziert Tendenzen zur Erschwerung und zu Verschlechterungen von Fremdfinanzierungen sichtbar werden.

Konjunkturmotor Industrie angesprungen
Nach Auswertung der Zahlen für die Industrie kommen die Sächsischen IHKs zur Einschätzung, dass der Konjunkturmotor in diesem wichtigsten Wirtschaftsbereich wieder angesprungen ist. Langsam erholen sich die Auftragseingänge, die Inanspruchnahme der Kurzarbeit ist deutlich rückläufig und die Investitionen, vor allem in Produkt- und Prozessinnovationen bewegen sich auf einem erfreulich hohen Niveau. Angespannt bleiben die Auftrags- und Personalsituation vor allem in den wichtigen Branchen Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Metallverarbeitung. Die Auslastung der Produktionskapazitäten (73,8 %) kann nicht befriedigen und belastet die Ertragslage der Betriebe deutlich.

Erfreulich stabil ist die Geschäftslage im Baugewerbe, die einen Positivsaldo (+ 15%) aufweist. Dazu haben besonders die verbesserten Umsatz- und Ertragsentwicklungen beigetragen. Die Produktionskapazitäten der Bauunternehmen sind mit 82,1 % ordentlich ausgelastet. Die Baukonjunktur wird vor allem von guten Ergebnissen im öffentlichen Bau gestützt, Wirtschafts- und Wohnungsbau in Sachsen bleiben deutlich unter den Vorjahreswerten. Nicht zu übersehen ist der große Pessimismus der befragten Unternehmen bei den Prognosen, der über die saisonal üblichen Eintrübungen hinausgeht. Große Impulse bei Wirtschaftsleistung und Beschäftigung sind für 2010 vom sächsischen Baugewerbe nicht zu erwarten.

Zum wiederholten Mal ist die Entwicklung im sächsischen Dienstleistungssektor ein stabilisierendes Element der Konjunktur. Ein deutlicher Positivsaldo bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage, branchendifferenzierte aber tendenziell gute Umsatzentwicklungen vor allem bei den IT- und Finanzdienstleistern sowie positive Beschäftigungszahlen untermauern diese Feststellung.
Die Prognosen der Dienstleistungsfirmen sind, wenn auch in den einzelnen Dienstleistungssparten unterschiedlich, überwiegend vorsichtig.

Der Einzelhandel meldet erstaunlich gute Konjunktureinschätzungen, damit bleibt der Konsum eine Stütze der aktuellen Wirtschaftssituation. Erstmals seit 2006 melden die Einzelhändler Sachsens wieder einen positiven Saldo bei der Beurteilung der Geschäftslage, dieser Index hat sich seit Mitte 2008 kontinuierlich verbessert.
Die positiven Einschätzungen werden vor allem von den Drogerien/Apotheken, dem Handel mit IT-und Kommunikationstechnik sowie dem Kfz-Handel (Abwrackprämie) getragen. Die Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren Entwicklung (Arbeitsmarkt, steigende Steuern und Abgaben u. a.) drücken auch die Prognosen der Einzelhändler, die deutlich im Minus bleiben.

Die befragten sächsischen Großhandelsunternehmen signalisieren eine Verbesserung ihrer Geschäftslage und auch wachsende Zuversicht bei den Prognosen. Dabei tragen vor allem die konsumnahen Großhändler diese Entwicklung, im produktionsorientierten Großhandel sind die Erholungsentwicklungen der Industrie noch nicht angekommen.
Der sächsische Großhandel wird sich im 1. Halbjahr 2010 stabilisieren, seine Innovationsabsichten und Beschäftigungsentwicklungen stimmen optimistisch.

Das in den letzten Jahren konjunkturell besonders negativ betroffene sächsische Verkehrsgewerbe bleibt auch zum Jahreswechsel 2009/2010 in einer schwierigen Lage. Deren Beurteilung hat sich durch Verbesserungen im Umsatz- und Ertragsbereich zwar verbessert, bleibt aber bei einem Negativsaldo (- 11%). Nach wie vor wird die Branche von fiskalischen Einflüssen (Fahrpersonalrecht, Umweltbestimmungen, Maut u. a.) stark beeinflusst und hat unter nichtharmonisierten Wettbewerbsbedingungen in der EU besonders zu leiden. Vor diesem Hintergrund haben sich die Geschäftserwartungen der sächsischen Verkehrsunternehmen wieder verschlechtert. Als besonders großes Risiko wird die Entwicklung der Treibstoffpreise angesehen, die in diesem Wirtschaftsbereich einen sehr sensiblen und bedeutenden Kostenblock darstellen.

Wirtschaftspolitische Forderungen
Die sächsische Wirtschaft hat bei realistischer Bewertung der Konjunkturdaten vom Jahreswechsel 2009/2010 die Talsohle des schweren Konjunktureinbruchs von 2008 durchschritten und befindet sich auf Erholungskurs. In dieser hoffnungsvollen aber weiterhin angespannten, in vielen Bereichen noch labilen Situation kommt unterstützenden, wirtschaftsfördernden Rahmenbedingungen eine besonders große Bedeutung zu. Die sächsischen Industrie- und Handelskammern fordern daher von der Politik und der Verwaltung aller Ebenen:

  • Auch in der Konjunkturkrise haben die sächsischen Firmen ihre hochqualifizierten Belegschaften weitgehend erhalten und auf hohem Niveau ausgebildet. Die sächsische Wirtschaft erwartet vom Schulsystem des Freistaates weitere Anstrengungen zur Verbesserung der Ausbildungsreife und Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger. Die großen Reserven auf diesem Gebiet sind auch im Krisenjahr 2009 deutlich sichtbar geworden.


  • Konsequente Reformen der sozialen Sicherungssysteme mit dem Ziel der dauerhaften Entlastung der Arbeitskosten, deren Entwicklung die sächsischen Unternehmen zu den wichtigsten Risikofaktoren der wirtschaftlichen Entwicklung in den nächsten 12 Monaten zählen. Die Beendigung der schleichenden Einführung von Mindestlöhnen, die nachweislich zum Verlust von Arbeitsplätzen gerade im besonders kritischen Bereich der nicht oder geringqualifizierten Beschäftigung führt.


  • Die sächsischen Unternehmen sehen die Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise in den nächsten 12 Monaten als eines ihrer größten Risiken. Wir appellieren daher an den Freistaat Sachsen die Anstrengungen zur Verbesserung der betrieblichen Energie- und Materialeffizienz konsequent fortzusetzen und auszubauen sowie weitere fiskalisch bedingte Steigerungen der Rohstoff- und Energiepreise unbedingt zu vermeiden. Das gilt insbesondere für deutsche Alleingänge beim Klima- und Umweltschutz. Wir erwarten 2010 ein technologieoffenes, wirtschaftsfreundliches und die internationale Wettbewerbsfähigkeit sächsischer Firmen steigerndes Energieprogramm des Freistaates Sachsen.


  • Die schnelle Mittelzuweisung und Wiederaufnahme der Bewilligungen bei den zentralen Förderungen im Investitions- und Technologiebereich. Ihre mehrmonatige Aussetzung bringt für die antragstellenden Unternehmen zusätzliche Liquiditäts- und Finanzierungsprobleme. Für viele Unternehmen sind die haushaltstechnischen und fiskalischen Ursachen für diese Unterbrechungen der Bewilligungspraxis schwer vermittelbar, zumal in diesen Konsolidierungsprozessen.


  • Wir appellieren an die sächsischen Kreditinstitute, bei der Kreditvergabe an mittelständische Firmen stärker deren Kompetenzen, Zukunftsfähigkeit und Unternehmerpersönlichkeit zu bewerten als vergangenheitsorientierte Ratings und Bilanzkennzahlen. Von der Politik erwarten wir schnell klare Konsequenzen aus der Finanzkrise für die Kreditinstitute, insbesondere die deutliche Stärkung ihrer realwirtschaftsorientierten Aktivitäten.


  • Die sächsische Wirtschaft erwartet von den Kommunen des Freistaates, dass sie bei den schwierigen Haushaltssituationen der nächsten Jahre nicht durch erhöhte Steuern, Gebühren und Abgaben die ohnehin angespannte Lage vieler mittelständischen Unternehmen zusätzlich verschärfen.


  • Wir erwarten von der sächsischen Staatsregierung die unbedingte Fortsetzung ihres Aus- und Neubaus wirtschaftsrelevanter Infrastruktur (Straße, Schiene, IT-Sektor, Bildungsbereich). Dabei sollten zunehmend auch Public-Private-Partnership-Modelle genutzt werden.


  • Die sächsischen Industrie- und Handelskammern begrüßen die neuen Impulse in der Technologieförderung des Freistaates. Sie appellieren aber an die Staatsregierung, Anpassungen der Unternehmensförderung z. B. im Sächsischen Mittelstandsprogramm unter stärkerer Beachtung der aktuellen Herausforderungen in den Unternehmen (z. B. in der Außenwirtschaft) vorzunehmen und dabei auch die Wirtschaftsverbände und Kammern frühzeitiger und intensiver zu konsultieren.


IHK-Konjunkturumfrage Sachsen (PDF 51 kB)


(Industrie- und Handelskammer zu Leipzig)

 
 

deli.cio.us Mister Wong

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