Am 2. August 2012 begeht die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig den 150. Jahrestag ihrer Gründung. Aus diesem Anlass findet vom 17. Juli bis 27. September 2012 im IHK-Hauptgebäude (Goerdelerring 5, 04109 Leipzig, 3. Etage) eine einzigartige, in dieser Form noch nie gezeigte Ausstellung statt. Erstmalig werden ausgewählte Stücke des Kramerschatzes, die sonst im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, im Museum der bildenden Künste Leipzig sowie dem Stadtarchiv der Stadt Leipzig aufbewahrt werden und zum Teil für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, an einem Ort zusammengeführt und für interessiertes Publikum zu sehen sein – darunter wertvolle Pokale, Gläser, Münzen und Medaillen, Gemälde, Fahnen sowie Unterlagen aus dem Archiv der Kramerinnung. Die Ausstellung wird ergänzt durch informative Texte zur Geschichte der Innung und des Schatzes, zur Öffentlichen Handelslehranstalt sowie zu den Kramermeistern. Sie kann von Montag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr und Freitag von 9 bis 16 Uhr kostenfrei besichtigt werden. Von 17. Juli bis 27. September über 500 Jahre Wirtschaftsgeschichte erleben
„Die Geschichte der IHK zu Leipzig reicht bei genauer Betrachtung über 500 Jahre zurück. Damals entstand die Leipziger Kramerinnung. Nach ihrer Auflösung 1887 ging ihr Erbe an die heutige Industrie- und Handelskammer zu Leipzig über“, erklärt Wolfgang Topf, Präsident der IHK zu Leipzig. „Die Geschichte der Kramerinnung, als Vorläufer der heutigen IHK zu Leipzig zeigt, wie früh sich schon Strukturen für die Organisation des Waren- und Wirtschaftsverkehres hier in der Region gebildet haben. Damals wie heute war es zentrale Aufgabe, Positionen der Wirtschaft zu bilden und Interessen gegenüber den verschiedensten Anspruchsgruppen zu vertreten – eine wichtige öffentliche Funktion. Wir freuen uns, diese besonderen Ausstellungsobjekte als Zeugen der Geschichte nunmehr der Öffentlichkeit präsentieren zu können.“ Themenseite zum Jubiläum unter www.leipzig.ihk.de/150
Das Jubiläum der IHK zu Leipzig wird online begleitet mit einer Themenseite unter www.leipzig.ihk.de/150. Dort sind alle wissenswerten Informationen und Begleitmaterial rund um das Gründungsjubiläum zu finden, unter anderem zur Festschrift „Kammergeschichte(n)“ oder zur Kramerschatzausstellung. Die Jubiläumsausstellung der IHK zu Leipzig wird in Zusammenarbeit mit dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, dem Sächsischen Wirtschaftsarchiv e.V., dem Museum der bildenden Künste Leipzig sowie dem Stadtarchiv der Stadt Leipzig präsentiert. Highlights der Ausstellung
- Fünf Ölgemälde aus der Porträtsammlung der Kramermeister Leipzig: Die Porträtreihe umfasst insgesamt 118 Bildnisse der zwischen 1630 und 1870 gewählten Vorsteher der Leipziger Kramerinnung – für den deutschsprachigen Raum einmalig. Sie wurde von bedeutenden Porträtisten wie Hermann Ludwig Heubner oder Anton Graff geschaffen. Werke dieser beiden Künstler sind in der IHK-Jubiläumsausstellung zu sehen.
- Pokal mit silbernem Fuß, 1749: Oberhalb des Kuppaansatzes ist die geschnittene Signatur des Künstlers „Casper Gottlieb Langer, in Warmbrunn 1749 Glasschneider“ zu sehen – von historischer Bedeutung, denn es war eine große Ausnahme, dass ein schlesischer Glasschneider seine Werke signierte. Auf der Wandung des Pokals ist einerseits die Alte Börse zu Leipzig in Außenansicht und andererseits in Innenansicht abgebildet. Die Innenansicht zeigt neun Personen am Beratungstisch sitzend. Die abgebildeten Personen stellen die neun Vorstandsmitglieder der Börse dar. Diese sind bei allgemeinen Angelegenheiten der konkurrierenden Kaufmannschaften der Handelsdeputierten und der Kramerinnung z. B. in der Börse zusammenkommen, um über das jeweilige Thema gemeinsam zu disputieren.
- Großer Römer, 1739: Die Bowle befand sich ursprünglich im Besitz der Zwölfergesellschaft, die am 24. Juni 1737 von 16 Handlungsgehilfen gegründet worden war und die vor allem hilfsbedürftige Standesgenossen unterstützte. Wer neu in die Gesellschaft eintrat oder diese verließ, war verpflichtet, diesen Römer mit Rheinwein zu füllen.
- Becherglas, um 1655: Auf der Vorderseite des Becherwandung befindet sich ein geschnittenes Herz, welches in drei Teile geteilt ist: im unteren Teil ein springender Hund, oben links ein „M“, oben rechts ein „B“ – vermutlich handelt es sich dabei um die Initialen von Kramermeister Michael Brummer. Auf dem Herz befindet sich oben die Hausmarke der Kramerinnung. Unterhalb des Mündungsrandes befindet sich die Inschrift „Gott segne und erhalte die hochlöbliche Kaufmannschaft“.
Der Kramerschatz
Im Verlaufe ihres Bestehens häufte die Kramerinnung eine große Anzahl von Innungspokalen und anderen kunsthandwerklichen und Kunstgegenständen an. 1881 hieß es in einer zeitgenössischen Darstellung dazu: „Ausser den Vermächtnissen von Kapitalien kommen auch zahlreiche Geschenke vor – Pokale und andere Tischgeräthe, Zimmerschmuck u.s.w. –, welche einzelne Kramer, besonders Kramermeister, (gewöhnlich schon bei Lebzeiten) für das Kramerhaus stiften.“ Dazu zählten 118 Bildnisse von Kramermeistern (das älteste von 1630) und andere Gemälde, Glaspokale und Silbergerät (Leuchter, Löffel, Bestecke, Becher bzw. Kelche), Medaillen, Münzen, Degen und Petschafte. Bei ihrer Auflösung 1887 übergab die Kramerinnung ihr Vermögen, das Archiv und den schon damals sogenannten „Kramerschatz“ an die Handelskammer zu Leipzig, die dieses Erbe verwahrte und fortführte. Heute befinden sich die kunsthandwerklichen Stücke des Schatzes im Stadtgeschichtlichen Museum, die Gemälde im Museum der bildenden Künste Leipzig und die Akten im Stadtarchiv Leipzig. Ein Teil ist seit 1997 in einer ständigen Ausstellung im Aerar, der ehemaligen „Schatzkammer“ des Rates, im Alten Rathaus zu sehen. Die Kramerinnung
Vor über 500 Jahren entstand die Leipziger Kramerinnung, die als älteste kaufmännische Körperschaft Sachsens gilt. Aus dem Jahre 1477 stammt die erste bekannte Innungsordnung. Ein geschlossener Kramerstand (Kleinhändler) ist bereits in einer Urkunde des Markgrafen Friedrich von 1349 erwähnt. Auch bei der Kramerinnung handelte es sich um den Zusammenschluss von Vertretern eines Gewerbes. Durch strenge Regelung von Rechten und Pflichten schützten sie einerseits ihre Interessen gegenüber Konkurrenten, andererseits sorgten sie aber auch innerhalb ihres Kreises für Recht und Ordnung. Mit dem „Gesetz über die Handels- und Gewerbekammern“ in Sachsen vom 15. Oktober 1861 kam das Ende für die gewerbepolizeilichen Rechte und die beratende Funktion der Kramerinnung sowie ihrer Rolle als Interessenvertretung des Leipziger Handels und Verkehrs. Das Vermögen sollte durch eine „Kramer-Stiftung“ verwaltet und insbesondere für die Erhaltung und Fortführung der Handelslehranstalt eingesetzt werden. Am 22. Oktober 1886 löste sich die Innung auf.
(Quelle: Industrie- und Handelskammer zu Leipzig)
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